• Für einen kurzen Moment reißt der Himmel auf und taucht Schottlands Bilderbuch-Festung in spektakuläres Licht.

    Eilan Donan
  • Wohl eines der schönsten Täler der schottischen Westküste – inklusive herzzerreißender Geschichte

    Glen Coe
  • Mal wieder kämpft sich die Sonne hartnäckig durch die dicke Wolkendecke.

    Loch Lomond

Wir haben mehr Tage auf den Hebriden verbracht als ursrünglich geplant. Für den Rest der Wegstrecke haben wir jetzt leider nicht mehr so viel Zeit.

Südliche Highlands

Schottland – Teil III

Obwohl wir inzwischen die außergewöhnlichen Maße unseres Campers ganz gut beherrschen, sind die langen Wegstrecken auf den schmalen, gewundenen schottischen Straßen recht ermüdend.
Das Wetter ist durchwachsen und scheint nicht ganz zu wissen, für was es sich eigentlich entscheiden soll. Aber so haben wir wenigstens dramatische Himmel, denn die Sonne versucht es ja wenigstens noch hier und da durchzubrechen. Und es gibt auch keine kleinen blutsaugenden Biester, mit denen wir zu kämpfen hätten.

Die letzten Sonnenstrahlen über Loch Long geben eine perfekte Kulisse für das schottische Schloss wie aus dem Bilderbuch.

Eilan Donan Castle
Kurz hinter der Brücke liegt wohl das meist fotografierte Schloss Schottlands, Eilan Donan Castle. Wir haben ein gutes Timing, die letzten Touristen packen zusammen, das Licht bricht durch die Wolken und zaubert eine tolle Beleuchtung. Leider steht am Parkplatz ein Schild, dass das Fliegen mit der Drohne verbietet. Doch Anny schaut nochmal genauer hin und siehe da – das Verbot gilt nur zwischen 9 und 18 Uhr. Wir haben kurz nach 6, also wird schnell die Mavic startklar gemacht. Sehr clever – Rücksicht und Rechte für Alle!
Nach dem Flug gilt es mal wieder, ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Der Campground hat schon zu, also stellen wir unser Womo mal wieder an einer Nebenstraße auf einen Parkplatz. Inzwischen sind wir so verwöhnt von unseren Wildcamping-Plätzen, dass wir da einen gewissen Anspruch entwickelt haben. Aber irgendwann siegt die Müdigkeit und damit auch der Anspruch an das Nachtlager.
Was sich aber erst als semi-guter Platz gezeigt hat – was eigentlich egal ist, da es mal wieder in Strömen regnet – ändert sich beim whiskygeschwängerten Blick aus dem Fenster. Direkt vor unserer Nase grasen 4 Hirsche, und lassen sich durch unsere Anwesenheit überhaupt nicht stören.

Wir lassen das berühmte Viadukt hinter uns und werden nach kurzer Zeit mit einem fantastischen Blick über Loch Shiel belohnt.

Glenfinnan
Am nächsten morgen geht es weiter in Richtung Loch Lomond Nationalpark. Auf einem kurzen Umweg liegt das malerische Glenfinnan Viadukt – bekannt durch den Hogwarts Express aus Harry Potter. 2x am Tag fährt der Jacobite Steam Train über die Brücke. Wir wissen nur nicht genau wann, denn im Internet finden wir widersprüchliche Angaben. Und während wir die kurvige A830 in Richtung Viadukt fahren, können wir die Dampfsäule schon über den Baumwipfeln sehen. Das Rennen ist nicht zu gewinnen und so sehen wir den Zug über das Viadukt rumpeln während wir einen Platz suchen, wo wir unser 8-Meter-Monster fallen lassen können. Wieder ein Touristen Hot-Spot, der komplett überlaufen ist. In der Nähe des Bahnhofs finden wir dann die nötigen Meter für unser Vehikel und stürzen uns ins Getümmel. Ein Gutes hat die Geschichte aber: die Touristenbusse machen sich schon wieder auf den Rückweg. Die hatten selbstverständlich ein besseres Timing als wir.
Wir laufen auf einem Wanderweg von unten an das Viadukt heran, erklimmen den Aussichtspunkt am Brückenkopf und kämpfen uns den matschigen Pfad weiter in Richtung Glenfinnan Bahnhof. Zeitweise fragen wir uns, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind oder einem Bachbett folgen – auf jeden Falle eine matschige Angelegenheit, da es kurz vorher geregnet hatte. Zwischendurch aber werden wir dann mit einem herrlichem Blick auf Viadukt in die eine und dem Bonnie Prince Charles Denkmal am Fjord in die andere Richtung belohnt.

Glencoe – Das Tal der Tränen.

Massiv ist das weite Tal an beiden Seiten von Granitfelsen flankiert und so verläuft sich dann doch die Masse an Touristen an diesem Tag.
Glen coe
Von Loch Leven aus fahren wir in eines der schönsten Täler Schottlands. Der Namensgeber des Tals schlängelt sich in vielen Windungen und kleinen Wasserfällen das vom Eise ausgegrabene Trog-Tal hinunter. Saftig grün leuchtet das Gras und schimmert silbrig unter einer leichten Brise. Wir können uns fast nicht satt sehen, lassen unsere Drohne steigen und genießen den sonnigen Nachmittag im 'Tal der Tränen' wie es seit dem Massaker der königlichen Truppen an dem Clan der Maclain seit 1692 bekannt ist.
Wir packen unsere Rucksäcke und entscheiden uns trotz Zeitmangel, wenigstens noch ein wenig an diesem grandiosen Ort zu verweilen. Entlang der alten Straße folgen wir dem Flüsschen Coe, der sich munter plappernd dem Tal entlangschlängelt.

Urplötzlich, fast wie aus dem Nichts, erheben sich die Berge der Aonach Eagach Ridge, bevor die Ausläufer in das bekannte Skigebiet der Region übergehen.

Loch Lomond
Im Loch Lomond Nationalpark angekommen, wollen wir eigentlich gleich nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen, denn die meisten Camping-Plätze sind am untern Teil vom See und so wollen wir einfach wild campen. Leichter gesagt als getan. Durch die Nähe zu Glasgow ist der Nationalpark ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel und das heißt, wildcampen unterliegt strengen Auflagen. Man braucht eine Permit, die es natürlich nur in begrenzter Anzahl gibt und die man im Vorfeld besorgen muss.
Und so fahren wir am wunderschön gelegenen See entlang die Küste nach Süden – ohne irgendeine Möglichkeit zu finden, wo wir anhalten geschweige denn übernachten könnten. Und das Wetter wird immer schlechter, inzwischen regnet es in Strömen.
Uns bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als in Richtung der Campingplätze zu fahren. Das bedeutet, um die Südspitze des Sees herum zu fahren um am Ostufer dann wieder zurück. Super. Als wir endlich am ersten Campground ankommen, stehen wir vor verschlossener Tür – es ist kurz nach sieben Uhr. Es gibt zwar noch haufenweise Pitches, aber die Schranke verwehrt uns die Einfahrt. Sonst kennen wir das System, dass man am Eingang Infos über noch unbelegten Pitches ausweist und dann am nächsten Morgen zahlt, aber eben leider nicht hier.
Da Micha auf der engen Straße nicht wenden kann, fahren wir weiter. Dabei kommen wir durch Zufall am nächsten Campground vorbei, die Schranke ist allerdings auch schon unten. Ohne wirklich dran zu glauben, laufen wir an die Rezeption. Dort hängt ein Schild, 'Late Arrivals' können David bis 22 Uhr unter folgender Nummer anrufen. Gerade als wir drüber nachdenken, ob wir das wohl machen, kommt David schon ums Eck und wir können uns doch tatsächlich noch einen Pitch aussuchen. So stehen wir knapp am Wasser, der Campground liegt wunderschön am Ufer des Loch Lomond, und zahlreiche Bäume bewalden diesen außergewöhnlichen Platz. Hier lässt es sich wirklich aushalten. Der Regen hat zwar nicht nachgelassen aber wir kochen uns noch eine leckere Kleinigkeit und fallen danach erleichtert in unsere Betten.

Am nächsten Morgen erwartet uns strahlender Sonnenschein – der Sommer scheint zurückgekehrt zu sein, oder?

Wir schnappen uns die kurzen Hosen und laufen ans Ufer. Aber die Sonne täuscht – es hat lediglich 14 Grad. Aber nichts, was ein dicker Fleece richten könnte. Wir ärgern uns, dass wir schon wieder weiter müssen, denn hier ist es wunderschön. Wir packen also nach dem Frühstück unsere Sachen und machen uns auf dem Weg, zurück die Küste entlang. Wir halten an einem Wanderparkplatz, den wir gestern in unserer Not schon für einen verbotenen Übernachtungsplatz in Erwägung gezogen haben. Dort läuft ein kleiner Bach in den See, auf den Hügeln am gegenüberliegenden Seeufer liegt sanftes Sonnenlicht und wir machen ein paar Langzeitbelichtungen und genießen die wärmenden Sonnenstrahlen.
Trossachs Nationalpark | Callander
Wir fahren weiter am See entlang, verlassen an dessen Ende den Nationalpark, um in einer Schleife wieder in den anderen Teil des Parks zu fahren – den Trossachs Nationalpark. Die Landschaft wird dominiert von saftig grünen Wäldern und kleinen Seen bzw. Lochs. Micha quält das Womo nochmal einen kleinen Pass hinauf, und auf der anderen Seite wieder runter. In Callander, einem kleinen Nest am Rand des Parks, propieren wir im Mhor Bread & Tearoom die berühmten, hausgemachten Pies. Steak-Haggis-Pie und Steak-Black-Pudding-Pie – einfach sensationell! Wäre das nicht unser letzter Tag, hätten wir uns sicherlich reichlich damit für den Urlaub eingedeckt.
Doune Castle
Wir nehmen die Hauptstraße zurück nach Edinburgh, morgen müssen wir das WoMo abgeben. Auf dem Weg liegt Doune Castle, die Burg aus Monty Pythons 'Ritter der Kokosnuss'. Außerdem wurde zuletzt auch die Serie „Outlander“ dort gedreht, die Burg ist darin der Sitz des McKenzie Clans. Wir nehmen uns dieses mal auch einen Audio Guide und lauschen zwei unterschiedlichen Beschreibungen: Die Erste zur Geschichte der Burg – erzählt von Terry Jones und als Zusatz Geschichten zu einzelnen Szenen aus 'Ritter der Kokosnuss'. Und die Zweite, erzählt von dem Schauspieler aus Outlander, Sam Heughan, der uns einen klasse Blick hinter die Kulissen des Drehs bietet. Wir haben einen Heidenspaß und wundern uns über die anderen Touristen, die keine Miene verziehen. Kennt denn niemand mehr diesen Film? Wir amüsieren uns köstlich über die Geschichten zum trojanischen Hasen, den Statisten, den Missgeschicken während des Drehs und beschließen, zu Hause gleich mal wieder den Film anzuschauen.

Zurück nach Uphall

Nach Doune Castle fahren wir zurück nach Edinburgh, auf unseren ersten Campground in der Nähe von Uphall, wo wir morgen unser Heim der letzten zwei Wochen abgeben werden. Im Verkehrs-Chaos des Feierabends, quasi einen Kilometer vor dem Ziel, biegen wir falsch ab und müssen durch eine mit Bruchsteinen gemauerste Straßenverengung – eigentlich dürfen hier nur Pkw entlang fahren und wir wissen auch gleich warum. Die Verengung ist knapp 2 m breit – also genauso breit wie unser Camper. Im Berufsverkehr zurücksetzen ist ein Ding der Unmöglichkeit und so zirkelt Micha das WoMo mit rechts und links 2 cm Spielraum an der Steinmauer vorbei. Wir sind schweißgebadet. Hätten wir doch beinahe auf den letzten Metern noch eine fette Macke ins Fahrzeug gefahren. Puh, nochmal gut gegangen! Wir können glücklicherweise noch den letzten freien Pitch ergattern freuen uns über unser Glück und genießen das sonnige Wetter mit einem Bier vor unserem Camper.
Am nächsten Morgen füllen wir nochmal alles auf, Frischwasser, Tank bzw. entledigen uns des Brauchwassers und reinigen die Toilettenkassette. Und dann geht es zum 20 Minuten entfernten Parkplatz von McRent. Was wir bis dato noch nicht wissen: In Edinburgh ist die Royal Highland Show, eine riesige Landwirtschaftsmesse. Der Verkehr ist völlig zum Erliegen bekommen und wir brauchen für die 20-minütige Strecke fast eineinhalb Stunden. Wir fahren gerade noch rechtzeitig zur Rückgabe den Camper auf den Hof, bevor wir eine saftige Late-Fee hätten zahlen müssen. Als wir unsere Sachen ausräumen, stellen wir fest, dass wir – heute zum allerersten Mal – das Dachfenster offen gelassen haben. Es wurde uns schließlich oft genug erklärt, das wir NIE mit offenen Fenstern losfahren sollen. Hat aber zum Glück niemand bemerkt und es wird jetzt auch Zeit, uns von dem WoMo zu verabschieden. Auf geht’s nach Edinburgh!
Impuls

Schottisches Kulinarium.

Der Schotte liebt es heftig: Ob zum Frühstück Bohnen, Ei, Sausages mit Haggis und Black Pudding oder Mittags einen Shepherd's Pie mit Hammel-Hackfleisch oder anderem Fleisch gefüllt, kann man sich dann gerne Abends noch ein Stück Lamm in Form eines Eintopfs oder einer Keule einverleiben. Und wem das zu wenig Abwechslung ist, kann gerne bei verschieden Stücken vom Angus Rind zugreifen oder beim schottischen Lachs. Zur Nachspeise reichen wir dann gerne schottisches Eis, mit einer Rahmstufe, für die es keine Skala mehr gibt. Und für den größten Hunger kann man sich zur Not noch mit Mürbteiggebäck (Shortbread) über die Runden helfen.