Es geht für ein paar Tage in den südamerikanischen Dschungel. Vom Kanu aus wollen wir die höchste Biodiversität im Einzugsgebiet des Amazonas erkunden.

Cuyabeno

Die Embraer-190 von tame bringt uns vom sonnigen Quito in das bewölkte Einzugsgebiet des Amazonas. Durch regenschwere Wolkenfetzen können wir das satte Grün des Regenwalds erkennen, als wir uns im Landeanflug nach Lago Agrio befinden. Wir verlassen das Flugzeug und fühlen uns bei 95% Luftfeuchtigkeit direkt in ein Gewächshaus versetzt. Das Gepäckband spuckt auf 3,5 m einzelne Gepäckstücke aus, wir holen unsere Reisetaschen und verlassen das Gebäude, als uns auch direkt ein Hyundai County MPV Minibus mit knapp 2 Dutzend Sitzen zugeteilt wird. Das Gepäck wird durch die Seitenfenster am Heck auf die Rückbank geschmissen und wir werden aufgefordert, das Gefährt zu betreten. Olivia, Becky und ihre Mutter Judy aus England, Ellis aus Holland und Joachim – ein Deutscher, der sich als Norweger ausgibt – haben nun alle im Bus platzgenommen und unser Fahrer Pietro nimmt noch seinen Kumpel samt Sohn mit auf den Weg.

Und so brausen wir mit viel zu hoher Geschwindigkeit über eine kurvige Landstraße durch die hügeligen Ausläufer der Anden. Nach einiger Zeit zieht auch die Klimaanlage an und die Luft im Bus ist wenigstens nicht mehr allzu drückend. Der forsche Fahrstil wird eigentlich nur dann unterbrochen, wenn große Stücke der Asphaltdecke fehlen und der Minibus die Stoßdämpfer bis zum Anschlag ausnutzt. Nach 3 Stunden halten wir kurz hinter einer Siedlung an und ein Mann steigt zu uns ein, der zwar knapp grüßt, uns aber kaum beachtet. Wir fahren eine weitere Stunde, bis Pietro den Bus neben der Straße anhält und wir in die unerträgliche Schwüle der Mittagshitze entlassen werden. Wir sind am Umschlagspunkt angekommen, an dem wir nach einer kurzen Mittagspause mit Verpflegung auf ein langes Kanu-Schnellboot umverladen werden. Wir treffen noch Bahrad und seine Frau aus den Staaten und der Mann, der so wortkarg auf unserer Fahrt zugestiegen ist, entpuppt sich als unser Guide Gilver. Anscheinend war er vorhin noch nicht im Dienst, aber nun hat er die Organisation der Reisegruppe übernommen und wir bekommen Schwimmwesten und nehmen Platz auf einer der sechs Doppelbänken mit kurzer Lehne aus Holz. Als Sitzpolster dient ein alter Poncho, von dem keiner wissen will, was er schon alles erlebt hat.

Wir legen ab und unser Skipper "Audi" beginnt, den Fluß hinabzufahren. Brackig-braun schlängelt sich das Wasser kurvenreich durch die dichte Vegetation und wir spüren die Kraft der Sonne am Äquator auf uns niederbrennen. Wir sind auf Safari! Gespannt suchen wir die Ufer und die Baumkronen nach Tieren ab, merken aber schnell, dass diese Art von Beobachtung bei Weitem schwieriger ist als in Afrika. Wir befinden uns in einem kleinen Boot auf einem 10-15 Meter breiten Fluß und blicken an der Uferkante direkt auf eine grüne Wand, dem dichten Blätterwerk des Dschungels. Mit der höchsten Dichte an Biodiversität sind wir natürlich gespannt, was wir alles zu sehen bekommen. Wir haben aber irgendwie mit den Lichtverhältnissen zu kämpfen: obwohl es Nachmittag ist, haben wir durch die Verschattung der Vegetation sehr langsame Zeiten. Hier und da sitzt ein Reiher im Buschwerk und trocknet sein Gefieder. Wir passieren einige sog. "Stinky Turkies" – Schopfhühner (Hoatzin), die wir die nächsten Tage wohl öfter sehen werden, und hören viele Vögel, die leider sehr weit entfernt im Blätterdach zu Hause sind. Wir sehen Kapuziner-, Woll und Mönchs-Affen und kleine Totenkopfäffchen, die jedoch allesamt sehr schwer zu fotografieren sind. Die Tiere sind flink, der Autofokus kämpft mit den Blättern und das Licht ist bescheiden. Plötzlich halten wir abrupt – Gilver hat ein Faultier im Kronendach entdeckt. Wir brauchen ewig, bis wir das grau-braune Wollknäuel im Geäst entdeckt haben. Mehr als ein Suchbild wird die Doku-Aufnahme nicht – verdammt, 40 m sind einfach zu weit weg! Wir sind schon über 4 Stunden unterwegs und dutzende Male in irgendeinem Wasserarm eingebogen, als wir mit der Abendsonne in die Cuyabeno Lagune einbiegen.

Minuten später landen wir an - wir sind in unserer Lodge angekommen. Wir werden auf die Hütten verteilt und teilen uns ein Gebäude mit den Mädels aus England. Die Hütten sind rudimentär ausgestattet, unsere Seite besteht einfach aus einen großen Raum mit zwei Betten, inklusive Moskitonetz. Daneben befindet sich das Bad und wir begrüßen gleich unsere Mitbewohner: Ein Laubfrosch sitzt am Türrahmen und von der Klopapierrolle huscht eine große Kakerlake flink in eine dunkle Ecke. Das geht ja gut los, denken wir und schauen uns den Rest an. In den Fensterrahmen sind zwar Moskitonetze gespannt, allerdings zweifeln wir an deren Effektivität, denn die Netzte hören ca. 50 cm vor der Decke auf. Ringsherum haben wir also eine große Öffnung für den öffentlichen Flugbetrieb hier. Also schauen wir, dass die Taschen und Rucksäcke geschlossen sind und überprüfen alles, was wir anziehen und mitnehmen. Micha packt als erstes ein kleines Handtuch aus, das in den nächsten Tagen ein treuer Begleiter wird. Die drückende Schwüle macht uns zu schaffen: allein vom Sitzen und Nichtstun läuft einem der Schweiß. Micha hängt am ersten Tag ein nasses T-Shirt zum Trocknen auf, das wir nach 3 Tagen genau so feucht wieder einpacken! Nach dem Abendessen fahren wir raus auf die Lagune und versuchen unser Glück, irgendetwas im Schein der Lampen zu entdecken. Und siehe da: Gilver entdeckt eine Boa im Blätterdach eines Baums, der am Rande des der Lagune steht. Ganz praktisch zu dieser Jahreszeit können wir mit unserem Kanu bis mindestens zur Hälfte des Baums fahren und die Schlange in Ruhe beobachten. Später sehen wir noch die Augen eines Kaimans im Scheinwerferlicht orange aufleuchten, aber als wir die Stelle erreichen, verschwindet das Tier mit ein paar satten Schwanzschlägen. Also kehren wir um, auch weil wir so langsam von allem möglichen Fluggetier verfolgt werden. Müde ziehen wir uns in unsere Betten zurück und sind heilfroh, ein Netz um uns herum zu haben und versuchen beim ohrenbetäubenden Lärm des Dschungels einzuschlafen.

Am nächsten Tag geht es nach Sonnenaufgang los und wir fahren mit den Kanu wieder hinaus durch das Labyrinth von Wasseradern. Wir wollen zum indigenen Dorf Puerto Bolivar fahren und etwas über die Kultur der Eingeborenen erfahren. Dieses Mal fährt uns jemand anders und wir lernen, dass die Beauftragung der Wassertaxis im Rotationsverfahren an die Einheimischen verteilt wird. So wird niemand bevorzugt – einzelne Personen wie auch ganze Sippen oder Stämme. Auf dem Weg dorthin sehen wir ab und an riesengroße Schmetterlinge, die wie leuchtend blaue Lichtblitze durch das Grün der Wälder zucken. Edelfalter, deren sagenhaftes Blau durch Interferenz des Lichts auf den Schuppen der Flügel und nicht durch Pigmente entsteht. Zwischendurch entdecken wir noch Nachtaffen in einer Bruthöhle eines Baumes, bevor wir einen kurzen Landgang an den Wurzelstamm eines Baumriesen unternehmen. Die Gruppe stolpert mit viel zu großen Leih-Gummistiefeln durch das feuchte Gestrüpp und versinkt während Gilvers Vortrag Zentimeter um Zentimeter im Morast des Dschungelbodens. Noch schnell ein Gruppenbild vor dem gigantischen Wurzeln des Urwaldriesen und es geht weiter. Prima, nun bekommt alles was wir dabei haben eine schlammige Note, als sich alle mit ihren Stiefeln über die Bänke ins schmale Boot quälen. Kurze Zeit später holen wir Maria von ihrer Hütte ab und fahren zur einer Art Gemeindezentrum.

Dort bekommen wir erst einmal einen theoretischen Abriss der Geschichte des Dorfes, bevor wir zu einem Maniokfeld geführt werden und Maria bei der Ernte einer Pflanze zuschauen. Wir fassen alle gemeinsam mit an, um die Knollen aus der Erde zu ziehen, die wir dann vor Ort schälen und wieder zurück zu der Gemeinschaftshütte bringen. Jetzt muss der Maniok zu Mehl geschabt werden. Dazu liegt ein halber Bogen Rundblech in einer Holzwanne, in das hunderte kleine scharfkantige Löcher geschlagen sind und die Produktion vom Maniokbrei beginnt. Als alle Knollen zerkleinert sind, wird aus dem Brei das Wasser mit Hilfe einer Art Netz aus Palmfasern ausgepresst. Maria schmeißt einen Klumpen auf eine Tonschale, die seit unsere Ankunft auf dem Feuer liegt und mit einem Schaber dreht sie gekonnt einen gleichmäßigen Fladen. Und nach Minuten ist dieser fertig und kann mit Belag garniert werden. Gilver hat Thunfisch und Guacamole mitgebracht, aus dem Dorf gibt es noch eine scharfe Würzpaste, die es in sich hat - aber in kleinen Mengen ist die Kombination richtig lecker!

Gilver bringt uns noch bei, wie man mit einem Blasrohr Pfeile verschießen kann und als er zur Demonstration gerade seine Lippen an das Mundstück ansetzen will, hält er kurz inne und schüttelt eine Tarantel auf den Boden, um im gleichen Atemzug unbeirrt fortzufahren. Nach einem kleinen Wettkampf, den natürlich unser Guide gewinnt, bekommt Maria noch ein paar Dollar von jedem in die Hand gedrückt und wir fahren wieder über die Wasserstraßen zurück zur Lagune. Mittags treffen wir noch den Geschäftsführer der Lodge, der sich von allen nur "Colonel" nennen lässt, weil er zu seiner aktiven Zeit die Nord-Grenze Ecuadors zu Kolumbien gesichert hat.

Nachmittags geht es wieder mit dem Kanu los. Langsam gleitet der schmale lange Rumpf durch das Wasser und die tiefe Sonne bricht wunderschön durch das Laubdach des Dschungels. Wir beobachten ein paar Flussdelfine, aber die Tiere sind unruhig und kommen nur kurz an die Oberfläche, um zu Atmen. Aber der Moment reicht, um die rosafarbenen Körper erkennen zu können. Als Gilver an einem Ast vorbeifährt und etwas von Fledermäusen erzählt, können wir es kaum glauben: zwei Meter von unserem Boot entfernt sitzen die kleinen Tierchen an der Baumrinde festgeklammert und perfekt getarnt! Bevor es wieder auf die Lagune geht, um den Sonnenuntergang zu beobachten, können wir noch ein paar Familien von Kapuzineraffen beim Durchstreifen des Waldes beobachten. Die Sonne taucht die ganze Lagune in prächtige Farben und die Mädels nutzen die Gelegenheit für eine schnelle Abkühlung und hüpfen für ein paar Minuten in das flache Wasser. Über Kaimane denkt bei dieser Hitze keiner mehr nach.

Abends geht es auf eine Nachtwanderung durch den Dschungel. Nach dem Abendessen landen wir auf der gegenüberliegenden Seite der Lagune an und setzen unseren Weg zu Fuß fort. Wir sehen viele Krabbeltiere, darunter eine ungefährliche Wolfspinne, die sich gehäutet hat und eine Skorpionspinne, die einfach nur ekelhaft aussieht. Diese sitzt an einem bemoosten Vermessungsstein, der den echten Äquator markiert. Wir nutzen das Licht der Stirnlampen zum Fotografieren, aber haben natürlich große Probleme mit der unregelmäßigen Bündelung des Lichts. Zu Dokumentationszwecken ist das wohl in Ordnung. Gilver findet eine Bananenspinne und zeigt uns, wie aggressiv diese Tiere sind, indem er die Spinne mit einem Stöckchen reizt. Und diese macht dann auch einen großen Sprung auf das Stöckchen von unserem Guide. Aber wir haben das Gefühl, er weiß was er da tut, denn seelenruhig erzählt er uns dann, wie giftig diese Spinne ist. Wir sehen noch ein paar Frösche und ein Opossum im Baum. Und plötzlich ist auch Gilver begeistert: Wir haben eine schöne große Tarantel entdeckt und als Gilver noch sagt, wir sollen uns langsam und leise bewegen, da die Tiere auf Vibration reagieren, trampelt die gesamte Gruppe schon so heftig auf das arme Tier zu, dass die Spinne schnell in ihrem Bau verschwindet. Selbst auf dem Rückweg haben wir nichts dazugelernt und wiederholen den selben Fehler ein weiteres Mal. Alle Fotos gezückt, alle Personen in Stellung - nur das Motiv ist leider weg. Un so haben wir nun einen wunderschönen Tarantel-Popo für unser Album. Richtig unheimlich wird es, als Gilver uns bittet, die Lampen auszuschalten. Man sieht seine Hand vor Augen nicht, und um uns herum herrscht ein ohrenbetäubender Lärm. Wir warten mehrere Minuten, bis unsere Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Nicht, dass es ein einziges Lux heller geworden wäre, denn am Boden des Regenwalds kommt praktisch kein Licht an, aber plötzlich können wir Tausende von fluoreszierenden Lichtern unter unseren Füßen sehen - die Biomasse zersetzenden Pilze leuchten! Aber alle in der Gruppe waren froh, als wir unsere Lampen wieder einschalten konnten.

In der Nacht regnet es lange und das Rauschen lässt den üblichen Lärmpegel etwas zurückgehen. Wir bilden uns auch ein, dass die Temperaturen jetzt etwas angenehmer sind, was einen immer noch nicht davon abhält, in seine Laken zu schwitzen. Inzwischen fangen unsere Sachen an zu müffeln - weniger nach unserem Schweiß, als viel mehr nach einem penetranten, nass-fauligen Geruch. Urwald eben. Am nächsten Morgen packen wir unsere Sachen um, damit unsere sauberen Sachen nicht unnötig kontaminiert werden. Bevor wir auf unsere Wanderung gehen, rümpft Becky die Nase und fragt, was hier so erbärmlich stinkt - bis sie feststellt, das wir selbst alle so stinken! Es beginnt zu regnen, wir setzen uns ins Kanu und paddeln über die Lagune auf die andere Seite. Keiner will die Ponchos anziehen, wir landen an und merken sofort, der Ausflug wird matschig. Und so stapfen wir durch den nassen Wald und versuchen, so gut es geht, nicht auf dem hügeligen, aber schmierigen Boden auszurutschen. Wir sehen wieder viele Krabbletiere und einige Spinnen - dieses Mal mit mehr Licht.

Ein Highlight ist ein Falter mit durchsichtigen Schwingen, ein daumennagelgroßer Frosch und sog. "Bullet-Ants", 24-Stunden-Ameisen oder auch Tropische Riesenameisen genannt. Die Ameisen können einem schmerzhafte Bisse zufügen, mit denen man tagelang zu kämpfen hat. Und damit wir auch welche sehen können, piekst Gilver mit einem Stöckchen in einem Loch am Boden herum und innerhalb von Sekunden rasen eine Handvoll Tiere der vermeintlichen Gefahr entgegen. Gilver versucht eine Wette mit uns zu machen, wer denn eine der Ameisen in die Hand nehmen wolle, kann in unserer Gruppe seltsamer Weise keinen Freiwilligen finden. Und so nimmt er zu unserem Erstaunen selbst eine der Riesen-Ameisen in die Hand und lacht: nach Abklang der Pheromone sind die Tiere nicht mehr im "Angriffs-Modus". Trotzdem hält keiner von uns die Hand auf, um es auszuprobieren. Wir machen uns auf den Rückweg und freuen uns, Audi zu sehen, der inzwischen mit dem Außenboarder zurückgekommen ist, so müssen wir nicht nach Hause rudern.

Als wir an der Lodge ankommen, liegen dort bereits zwei weitere Kanus. Beladen mit vielen Kisten und Menschen in Uniform. Wir erfahren, dass die Ranger kurz davor sind, beschlagnahmte oder aufgezogene und gepflegte Kaimane, Schildkröten, Faultiere und Schlangen auszuwildern, also wieder in die Obhut des Dschungels zu übergeben. Der Colonel bietet uns an, bei diesem Ereignis dabei zu sein und natürlich ist das geplante Bier damit vergessen und wir springen ins Kanu! Anny vergisst sogar, dass sie nur Flip Flops anhat. Aufgeregt folgen wir den Rangern und erreichen die Stelle unserer Nachtwanderung. Zuerst werden die Landschildkröten ausgesetzt, die erstaunlich fix im Wald verschwinden. Und dann werden die Faultiere aus ihren Käfigen geholt und von einem Pfleger behutsam an einen Baumstamm gesetzt. Dabei ist auch ein Jungtier, dass sich einfach nur festklammert und sich wegen des ganzen Stress gar nicht bewegen möchte. Dann werden die Schlangen einfach auf den Urwaldboden gekippt und des große Knäuel beginnt sich sofort zu entwirren. Die Tiere sind wunderschön gezeichnet und perfekt an die Umgebung angepasst. Schon nach kurzer Zeit verlieren wir die Boa Constrictors und Anacondas aus den Augen. Wie genau war das eigentlich nochmal mit den Flip Flops?

Zum Schluss werden die Kaimane freigelassen. Damit die Tiere sich beim Transport nicht verletzen, hat man ihnen das Maul mit ein paar Runden Packband zugeklebt, das jetzt natürlich erst einmal wieder entfernt werden muss. Teilweise halten nun 2-3 Personen die Tiere fest, die sich mit aller Kraft ihrer Helfer entledigen wollen. Behutsam werden sie an den Wasserrand gesetzt und mit einem Satz springen die Kaimane dann in die flachen Ausläufer der Lagune.

Glücklich und sehr zufrieden fahren wir mit einem guten Gefühl im Bauch zurück zur Lodge. Am Nachmittag geht es noch mal auf die Lagune - dieses Mal zu einem ausführlicherem Badeausflug. Im Anschluss lassen wir den Sonnenuntergang auf uns wirken und sind fasziniert von dem Farbspiel, dass sich uns hier bietet.

Der Morgen ist trüb und dunkel. Unsere Erwartungen sind dementsprechend gedämpft, als wir ein letztes Mal auf die Lagune hinausfahren. Wir sehen zwar ein paar Papageien, aber das Licht ist schwach und die Tiere leider weit weg. Es fängt an zu tröpfeln, aber keiner mag diese ekelhaften Ponchos überziehen und überhaupt - wegen ein paar Tropfen lohnt der Aufwand eh nicht. Als wir zurückkehren, liegt unser Gepäck schon am Steg. Audi schlägt professionell eine große Lkw-Plane ein, und unser ganzes Gepäck wird so vor Feuchtigkeit geschützt. Wir beschließen, das kleine Tele draußen zu lassen, falls wir auf der Rückfahrt noch etwas zu sehen bekommen, denn man weiß ja nie! Nach gefühlt einem Kilometer fängt es wieder zu tröpfeln an – wir werden aber lieber nass, als die Ponchos zu benutzen.

Das geht auch eine ganze Weile gut, bis nach einer Stunde ein Blitz den Himmel zerreißt und wir in einen Wolkenbruch geraten. Es fängt so an zu schütten, dass wir in wenigen Minuten das Wasser fußhoch im Kanu stehen haben. Inzwischen haben alle die Ponchos an und versuchen eben so gut es geht, die Mengen an Wasser von sich abzuhalten. Es wird ein erfolgloser Kampf gegen die Elemente. Audi macht seinem Namen nun alle Ehre, gibt ordentlich Gas und fährt so schnell er kann die Wasserwege entlang. Dabei bringt das viele Wasser im Boot selbiges gefährlich aus dem Gleichgewicht - Gilver und der Colonel fangen nun an, das Wasser aus dem Kanu zu schöpfen. Ein Blitz zuckt über unsere Köpfe hinweg, im selben Moment gefolgt von einem ohrenbetäubenden Krachen und wir können den Luftdruck spüren - wir sind also mittendrin! Micha kauert unter seinem Poncho und versucht die Kamera und das kleine Tele mit seinem Körper zu schützen, aber das Wasser läuft überall in Strömen. Ungeduldig warten wir jede Biegung im Fluss ab, bis wir endlich da sind. Alle Boote, die gerade reingekommen sind, haben sich unter der Brücke versammelt und allen Fahrern steht die unendliche Erleichterung einer erfolgreichen Ankunft in die Gesichter geschrieben.

Ein Boot nach dem anderen landet nun an und spuckt seine Fracht aus. Wir sind dran: der Kai liegt natürlich wieder im Freien und jeder, der aussteigt nimmt irgendetwas, das er greifen kann, aus dem Boot mit und rennt auf die höher gelegene Straße zu, auf der die ganzen Minibusse stehen. Auch unserer. Wir schmeißen die Sachen einfach in den Bus und wetzen wieder runter zum Kai, um noch mehr Sachen zu holen. Die Ponchos haben wir im Boot gelassen, aber die braucht eh keiner mehr. Patschnass sitzen wir nun im Bus und sortieren uns erst einmal. Irgendwie hat es Audi mit der Lkw-Plane geschafft, dass trotz hohem Wasserstand im Boot das Gepäck trocken geblieben ist. Ellis hat einen Nervenzusammenbruch und manch einer von uns ist verdammt nah dran. Auf der ganzen Fahrt sagt nur einer einmal etwas: Gilver, als er sich verabschiedet. Er hebt die Hand kurz zum Gruß und schwups - hat er den Bus schon verlassen.
Bevor wir zum Flughafen gebracht werden, organisiert der Colonel uns noch ein warmes Mittagessen, das wir nach diesem denkwürdigen Vormittag gebührend genießen.

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