Grönland Quick Map

Grönland Quick Map

Canon EOS 5d MKIII, Video & Gedöns. Hier könnten lauter kleine Symbole platziert werden, die unsere Ausrüstung illustrieren. Vielleicht.

Das Wetter ist großartig und wir sehen schon im Anflug viele Eisberge im Meer treiben. Die Luft ist sehr trocken und es ist windstill und so werden wir mit knapp 5 °C Außentemperatur im arktischen Hochsommer empfangen, bei dem man zwischenzeitlich sogar auf die Jacke verzichten kann!

Das Land der Kalaallit

Kalaallit Nunaat: Das größte ansässige Volk Grönlands nennt es „Land der Kalaallit“. Politisch gesehen ist die größte Insel der Welt ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark und heißt dort Grønland, also „Grünland“. Ganz so grün ist es dann allerdings doch nicht, wie wir feststellen konnten – obwohl knapp 20% der Fläche eisfrei sind. Die glattgeschliffenen Steine der Küstenstreifen sind vielerorts von dichten Beerenpolstern überdeckt. Vielleicht kommt daher der irreführende englische Name. Ab und an gibt es violette Tupfer durch die Nationalblume, das arktische Weidenröschen.

Die Siedlung am Eisfjord: Anderthalb Kilometer südlich der Stadt bilden die gigantischen Eisberge von Ilulissat die Kulisse um die verlassene Siedlung Sermermiut. Über 4.000 Jahre hinweg wohnten hier die verschiedenen Inuit-Kulturen, und noch heute findet man Reste, die deren Anwesenheit bezeugen. Wir wandern ca. 2h zum Dorf, von den Überresten ist nicht mehr viel zu sehen. Auf unserem Weg kommen wir an einem Friedhof vorbei. Er liegt außerhalb der Stadt, damit die Hunde die „Bewohner“ nicht wieder ausbuddeln. Durch den steinigen, grönländischen Boden sind die Gräber nicht tief gegraben, sondern aufgeschüttet.

Ilulissat Kangia: Der nach der benachbarten Stadt Ilulissat benannte Eisfjord (grönl.: Kangia) liegt 250 km nördlich des Polarkreises an der grönländischen Westküste. Er erstreckt sich über 40 km Länge und ist 7 km breit. An seinem landseitigen Ende befindet sich der Gletscher Sermeq Kujalleq, einer der aktivsten Gletscher der Erde.

Bootstour in der Mitternachtsonne: Der Ilulissat-Eisfjord wurde 2004 zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Die Fließgeschwindigkeit des Gletschers beträgt rund 20 m pro Tag, was einer jährlichen Eismenge von 35 km3 entspricht. Beim Kalben lösen sich riesige Eisberge mit einer Größe von bis zu 700 m (10 bis 12 % davon über Wasser) von der Gletscherkante. Zum Erreichen des meerseitigen Endes des Fjords benötigen die Eisberge rund 12 bis 15 Monate. Bei der Mündung des Fjordes stranden diese Riesen auf einer unterseeischen Moräne. Hier bringt das Boot uns hin. Die Mitternachts- und Abendsonne taucht die Eisberge in ein einzigartiges Licht. Die Kontraste kommen hervor, dann färbt die Mitternachtssonne alles in Pastellfarben. Wir fahren 4 Stunden durchs Eis und können uns nicht sattsehen. Als wir um Mitternacht in den Hafen fahren sind wir komplett durchgefroren – aber das hat sich gelohnt …

Kangia Ilulissat

Kangia - Ilulissat

5:07 min | Hans Zimmer (Remix) - "Chevaliers de Sangreal"

Mitternachtssonne im Eisfjord

Kalt fällt der Wind über die gigantischen Eisblöcke herab auf unser Boot. Im Spiel der Sonnenstrahlen färbt sich das Eis in den unterschiedlichsten Farben. Es ist ein Spektakel, das wir kaum mit unserer Ausrüstung einfangen können und so genießen wir einfach das Schauspiel an Deck.

Der Buckelwal [Megaptera novaeangliae]: 25 Tonnen gleiten leise an unserem Boot vorbei. Dabei ragen gerade mal zwei Meter des Körpers aus dem Wasser, nachdem das doppelte Blasloch die Atemluft mit einem tiefen Grollen ausgetauscht hat. Der Furchenwal, der diesen Morgen in der Bucht Krill und wohl auch ein paar Fische aus dem kalten Wasser filtert, lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht beirren. Zum Atmen kommt das Tier ca. 6-8 Mal an die Wasseroberfläche und kündigt seinen „Deep Dive“ mit einer intensiven Rückenkrümmung an, bei dem die große und tief eingekerbte Fluke komplett aus dem Wasser ragt. Zwischen drei und acht Minuten ist der Buckelwal dann verschwunden. Und es ist jedes Mal eine aufregende Überraschung, wo er denn wieder auftaucht. Ab und an verraten große Luftblasen die Anwesenheit des Meeressäugers, geschuldet einer Jagdtechnik, die Beute vor sich herzutreiben und zu konzentrieren. Einen ziemlichen Schrecken hat uns der massive, kräftig ausgebildete Körper eingejagt, als dieser unter unserem Boot zu erkennen war. Kurz vor dem Bug ragte der Wal dann aus dem Wasser, die Fluke zum Greifen nahe!

Walsafari

Walsafari

3:04 min

Wir kreuzen die Diskobucht auf der Suche nach Motiven.

Das Wetter ist heute nicht so gut, doch durch das Grau in Grau erscheinen die Eisberge in einem strahlenden Blau. Dieses Phänomen kann man nur bei schlechtem Wetter beobachten. Irgendwie unwirklich. Himmel und Wasser gehen ineinander über und dazwischen blaue Eisberge. Wunderschön.

Bootsfahrt zur Siedlung Oqaatsut: Der Ort Rodebay war mehrere Jahrhunderte einer der Zentren für den holländischen Walfang in Grönland, und noch immer wird in der alten Siedlung ab und zu ein Wal an Land gezogen. In schönster Natur etwa 15 Kilometer nördlich von Ilulissat, in der nur 45 Einwohner zählenden Siedlung, gibt es eine Schule, eine Kirche, einen Kaufmann und sogar das kleine Restaurant „H8“ – und das wird doch tatsächlich von einem Ossi geführt! Wir bekommen gute deutsche Hausmannskost. Kartoffeln, Rotkohl, Rosenkohl. Und ein großes Stück Fleisch. Im ersten Moment sind wir nicht sicher, ob uns der Hausherr aufs Korn nimmt und wir eigentlich einen ordentlichen Schweinebraten verzehren. Aber nach genauerer Analyse glauben wir ihm: es ist ein Finnwal.

Auf der Rückfahrt zieht plötzlich Nebel auf. Wir sitzen die ganze Zeit an Deck und beobachten das mystische Schauspiel.

Eqi – der kalbende Gletscher: Nur wenige Orte in Grönland sind so bezaubernd wie der Eqi Gletscher, der 70 km nördlich von Ilulissat in den Fjord hineinströmt. Es ist mit dem Boot möglich, ganz nah an die Abbruchkante zu kommen und die großen Kalbungen ins Meer zu erleben. Das mächtige Donnern und der Anblick der Eisberge, die sich im Wasser wälzen, sind atemberaubend. Wir starten die 12-stündige Tour mit dem Boot bei schönstem Wetter – strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint. Schon die Fahrt zum Gletscher ist wunderschön.

Dort angekommen, hören wir das Donnern und Knacken des Gletschers. Wir können die Dimensionen erstmal gar nicht abschätzen und denken: Die Stückchen sind aber klein. Warum rumpelt das so laut? Die Wellen erreichen das Boot und wir werden durchgeschaukelt. Dann erzählt uns unser Guide: Der Gletscher ist ca. 200 m hoch, wobei lediglich um die 30 Meter aus dem Wasser ragen. Der eingeschlossene Sauerstoff in Eis entlädt sich explosionsartig mit viel Getöse im Wasser. Und wir stellen fest, die Stückchen die dort regelmäßig ins Wasser stürzen sind doch nicht so klein, sondern haben eher die Größe eines Kleinwagens. Und plötzlich sind wir froh, daß nicht noch größere Stücke abbrechen. Die Wellen sind nämlich so schon hoch genug.

Eqip Sermia - Der Eqi Gletscher

Eqi Gletscher

3:06 min

Die 4-stündige Rückfahrt vom Gletscher verbringen wir an Deck. Wir schauen abwechselnd durchs Fernglas und hoffen auf einen Wal. Die Augen werden schon müde als wir plötzlich in der Ferne einen Blas entdecken. Wir winken dem Captain, der dreht sofort bei und wir kommen nochmal richtig nah an den Buckelwal ran. Im Vergleich zum Exemplar gestern unfassbarerweise noch größer, der Bulle misst bestimmt 30 Meter und hat eine wunderschöne weiße Fluke. Danach gibt’s zur Belohnung an Deck ein gekühltes Bier. Aufgrund der Außentemperaturen schmeckt es aber eher warm …

Ilulissat Tourismus: Die gesamte Infrastruktur ist – gelinde gesagt – recht einfach. Und obwohl es keinerlei Verbindungstraßen zu den anderen Siedlungen auf diesem Kontinent hat, fahren innerorts 15 (!) Taxis umher und stellen somit den Hauptanteil des Straßenverkehrs. Es gibt eine Post, einen Supermarkt, ein Freilichtmuseeum und ein Café. Für die Einheimischen gibt es noch eine Schule und eine Sporthalle und die ganzen Touristen werden in 3 Hotels unterschiedlicher Kategorien untergebracht.

Grönländisches Buffet: Etwas irritiert betrachten wir die etwa acht Meter lange Ansammlung von Speisen, in deren Mitte die Fluke eines Wals steckt. Tiefseekrabben, Schrimps und eine ordentliche Variation an Fisch haben wir ja schon erwartet. Aber dieses pechschwarze Teil überragt eben auch alles. Voller Stolz erklärt uns der Koch das erlesene Angebot und zeigt den ebenso verdutzt dreinblickenden Gästen, was man mit dem Wal-Teil macht. Man schnippelt einfach etwas davon ab und knabbert dann Stundenlang an der Haut herum ... Schmeckt übrigens überhaupt nicht. Und wenn man gefragt wird, wie man sein Walsteak haben möchte, sollte man als Mitteleuropäer auch nicht auf die Idee kommen, es so zu essen wie es vor Ort üblich wäre. Das wäre dann nämlich roh (!)

Grönländische Metzgerei: Eine Metzgerei in Grönland sieht nicht so aus wie wir das gewohnt sind. Große Stahltische, auf denen das Fleisch vor den Augen der Kunden zerteilt und portioniert wird. Und von wegen Lamm und Rind. Hier liegen Stücke von Robben, diverse Walsorten, Moschusochsen und Fisch. Und alles suppt gemütlich vor sich hin und auf den Boden, so dass man die Räumlichkeiten eigentlich nur mit Gummistiefeln betreten kann.

Der Rückflug: Auf dem Rückflug nach Reykjavík haben wir klares Wetter und sehen wunderschön, bis wohin sich die Eisfläche Grönlands erstreckt. Überall können wir die kristallklaren Schmelzwasser sehen, die sich fein verästelt über den gesamten Eispanzer erstrecken, in immer größeren Bächen und Seen sammeln. Das Eis schmilzt und zieht sich zurück – hier ist es wirklich für jeden sichtbar, dass unser Klima sich verändert!

Kalaallit Nunaat - Sermermiut
Ilulissat Kangia
Ilulissat Kangia
Ilulissat Kangia
Ilulissat Kangia
Ilulissat Kangia
Auf dem Rückweg von Oqaatsut
Eqi - der kalbende Gletscher
Im Eismeer
Im Eismeer - Ein Buckelwal
Im Eismeer
Mitternachtssonne vor der Haustür