Spontan fahren wir quasi über das Wochenende nach Island - und das im Winter! 5 Tage im Februar, geplagt von unfassbar schlechtem Wetter, versuchen wir das Beste aus unserem Aufenthalt machen.

Wir nehmen unseren Mietwagen in Empfang, einen nagelneuen KIA Sportage mit nur knapp 300 km auf dem Tacho und fahren in die Nacht. Da Ziel heißt Borgarnes, ca. eine Stunde von Reykjavík entfernt. Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, fängt es an zu regnen und heftiger Wind kommt auf. Spät am Abend erreichen wir das Borgarnes Bed & Breakfast und müssen aufpassen, dass die Windböen die Autotüren beim Öffnen nicht abreißen! Das Wetter verheißt nichts Gutes - Nachts heult der Wind durch die Ritzen des Gebäudes und der Regen peitscht gegen die großen Fenster unseres Zimmers.

Island - 5 Tage im Winter

Island - 5 Tage im Winter
Island - Dashboard Cam

2:30 min

Am nächsten Morgen fahren wir zeitig los, denn wir wollen ja zum Mývatn - bei gutem Wetter in fünf Stunden auf der Ringstraße zu schaffen. Uns beschleicht das Gefühl, dass wir heute mehr Zeit einplanen müssen. Wir fahren durch die tiefschwarze Nacht und der Regen prasselt unaufhörlich gegen die Windschutzscheibe. Kurze Zeit später lässt der Lärm nach und wir müssen unseren Weg durch dichtes Schneetreiben finden. Die Bereifung unseres Allrads ist mit Spikes bestückt und zieht uns souverän über die geschlossene Schneedecke. Wir sehen Abseits der Fahrbahn ein Fahrzeug, das in den Graben gerutscht ist und halten an. Aber als ein Isländer ebenso anhält, gibt es für uns nichts mehr zu tun, denn die Kommunikation unter den Einheimischen verläuft um einiges flüssiger.

Zwischen Blönduós und Varmahlíð gibt es einen kleinen Pass, der nicht sonderlich hoch ist, aber plötzlich sind wir mit heftigen Schneetreiben konfrontiert und die Navigation erweist sich als recht schwierig. Nach Varmahlíð überrascht uns ein zweiter Pass. Tief verschneit liegt die Straße vor uns und wir fragen uns, wie wir wohl hier weiterkommen sollen. Wir machen erst einmal Pause und holen die Kamera raus. Als ein Schneepflug die Fahrbahn räumt, hängen wir uns direkt hinter das Räumfahrzeug und lassen uns über den Pass führen. Das ist auch bitter nötig, denn oben auf dem Pass ist die Sicht gleich Null - wir können kaum das orangene Fahrzeug mit Blinklicht vor uns erkennen, geschweige denn die Stangen am Straßenrand! Im Prinzip gleicht es einem Blindflug durch dichtes Schneegestöber. Kurz hinter dem Pass fährt der Schneepflug an die Seite, lässt uns passieren, dreht um und wird sofort wieder von der Schneewolke verschluckt, durch die wir uns gerade gekämpft haben. Auf den letzen Kilometern nach Akureyri weicht der Schnee heftigem Regen und wir fragen uns, wie das noch Enden soll.

Ca. 10 km hinter Akureyri bricht die Sonne durch die Wolken und für ein paar Minuten können wir sogar das Blau des Himmels sehen. Wir werden zwar mit dem dritten Pass auf der Ringstrasse konfrontiert, aber Víkurskarð empfängt uns dieses Mal mit spektakulärem Licht. Auf unserem Weg passieren wir kurze Zeit später den Goðafoss, aber das Wetter zwingt uns im Fahrzeug zu bleiben, an Bilder machen ist bei dem Sturm und Regen nicht zu denken. Und so fahren wir Kilometer um Kilometer durch das ekelhafte Wetter zum Mývatn. Jedes Mal, wenn der Himmel aufreißt, nutzen wir jedoch die Gelegenheit, ein paar Bilder zu machen. Was sich schwieriger gestaltet, als angenommen: die komplette Landschaft ist vereist und wir kämpfen zusätzlich mit extremen Sturmböen, die einen fast umhauen. Gegen den späten Nachmittag erreichen wir die große Senke und verlassen die Ringstrasse und folgen der 848 um das Südufer des Sees bis zu den Dimmuborgir Guesthouses. Wir beziehen unsern Wohncontainer und sind heilfroh, daß wir gut angekommen sind.

Kurz vor Reykjahlíð, gibt es das Vogafjós Cowshed Cafe. So ziemlich die einzige kulinarische Möglichkeit weit und breit, Nahrung aufzunehmen. Denn in der kleinen Siedlung gibt es nur noch die Option in der wenig einladenden Hotelanlage von Myllan etwas Essbares zu finden. Das wesentlich hübschere Café Gamli Bærinn hat in der Nebensaison leider geschlossen. Wir sind dann auch total überrascht, wie gut das Cowshed Cafe dann wirklich ist. Wie der Name schon sagt, parken wir direkt neben dem Kuhstall und müssen aufpassen, wo wir beim Hineinlaufen dann hintreten. Modern und recht stylisch, präsentiert sich dann das Restaurant mit einer kleinen, aber richtig guten Karte. Wenn man mit dem Repertoire der isländischen Küche vertraut ist, merkt man ziemlich schnell, daß wir hier den Jackpot gezogen haben! Preiswert ist es natürlich nicht, aber sehr lecker. Es gibt z.B. Lamm und Forelle aus Mývatn, direkt vom Erzeuger. Und so haben wir unser neues Stammlokal für die nächsten Abende gefunden.

Es regnet zwar nicht mehr, aber der Wind zehrt an unseren Nerven - ohne Pause fegt er über die Ebene. Sorgen bereitet uns auch die Tatsache, daß wir KEINE Zusatzversicherung gegen Schäden von Sandstürmen abgeschlossen haben, weil diese ja eher im Sommer auftreten. Aber dieses Mal haben wir wenigstens eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen! Denn die Erfahrung hat gezeigt - es ist immer etwas mit dem Fahrzeug. Und auf dieser Insel wird es eben auch immer gleich abartig teuer. Aber das nur am Rande.

Wir versorgen uns mit einem Sandwich-Baukasten System von der Tanke und ziehen los. Auf der 1 nach Osten. Es hat aufgemacht und wir können den Himmel sehen. Spektakulär scheint die Sonne durch einen zerzausten Himmel und wir genießen das Licht. Kurz nach dem Krafla Kraftwerk liegt dann doch zu viel Schnee auf der Straße, daß wir mit unserem 4x4 nicht mehr weiterkommen. Wir steigen aus und stapfen den Berg hinauf in Richtung Krafla Krater. Mühsam geht es durch den hohen Schnee, aber die Aussicht ist fantastisch und die Luft klar. Wir beschließen weiter auf der Ringstraße nach Osten zu fahren und lassen uns überraschen, was wir noch für Fotomotive sehen werden. Es geht über eine langgestreckte Hochebene und das Lichtspiel, welches sich vor uns ausbreitet ist einfach wundervoll. Licht und Schatten wechseln sich ab und die Sonnenstrahlen werden von den vereisten Schneefeldern reflektiert und am Horizont erheben sich eindrucksvolle Bergketten. Die Sonne steht tief über Möðrudalur und wir beschließen es für heute gut sein zu lassen und treten den Weg zurück an.

Nachts ist der Himmel leider wieder mit Wolken bedeckt, aber wir hoffen, daß der kräftige Wind diesen dicken Teppich einfach wegschieben wird. Und so parken wir unseren KIA irgendwo am Nordufer des Sees, weit weg von irgendwelchen Lichtern und hoffen, daß es aufklart und wir vielleicht ein paar Sterne sehen können oder sogar Nordlichter. Passiert aber nicht.

Wir haben genügend Sprit im Tank und suchen nach Motiven rund um den See. Mit Langzeitbelichtungen glätten wir das Wasser und dann schauen wir ein paar Isländern dabei zu, wie sie auf den zugefrorenen Teilen des Sees zwischen den Pseudo-Kratern am Südufer bei Skútustaðir herumspazieren. Das machen wir dann auch, aber ohne Spikes ist das Herumspazieren zwischen den Kratern ganz schön Mühsam.

Rückzug. Es geht zurück nach Reykjavík. Am Goðafoss machen wir noch ein paar Langzeitbelichtungen und vergessen dann fast die Zeit. Unser Urlaub ist nicht ganz so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Und so beschließen wir, zum Mittagessen einen Halt im Bautinn Ehf in Akureyri einzulegen. Motiviert und gestärkt geht es weiter, auf eine mühsame Rückfahrt auf der Ringstraße. Kurz nach der Stadt werden wir von einem Schneesturm verschluckt und orientieren uns nur an den Rückleuchten des Vordermanns. In Kolonne wälzen wir durch den Schnee - hoffentlich hält jetzt keiner an, aber alle Fahrzeuge überqueren den Pass ohne weiteren Probleme. Kurz darauf dann wieder ein Pass - das gleiche Spiel wie auf der Hinfahrt. Nur irgendwie dachten wir, könne das Wetter nicht schlimmer werden. Aber das kann es und wir kämpfen uns langsam voran und sind heilfroh, als wir zum Tanken in Staðarskáli eine Pause machen können. Da sehen wir dann auch auf dem Monitor eine Straßenzustandswarnung zu den zwei Pässen, die wir gerade hinter uns gebracht haben. Dunkelrot und kurz vor dem Schließen. Haben wir gemerkt - erleichtert fahren wir weiter in die heraufziehende Dunkelheit.

Die Fahrt durch die Nacht ist extrem anstrengend. Starker Schneeregen behindert die Sicht und gefühlt kommen wir kaum vom Fleck. Jedes Mal wenn uns jemand entgegenkommt, bekommen wir eine Ladung Split ab, die sich klappernd über dem ganzen Auto verteilt. Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß wir bei der Rückgabe unseres Sportages dann den genauen Schaden an Windschutzscheibe und Lackierung gezeigt bekommen. Der ganze Wagen ist übersät mit kleinen Macken. Sogar auch im Scheinwerfer und der Windschutzscheibe - aber nur auf der linken Wagenseite! Wir müssen den Selbstbehalt laut Mietvertrag sofort vor Ort entrichten und das Prozedere mit den Versicherungspapieren beginnt. Das Schadensprotokoll wird ausgefüllt und quittiert und jedes weitere Formular, das der Angestellte der Autovermietung aus der Schublade zieht raubt uns allmählich jegliche Geduld. Wir müssen auf den Flieger und unser Sicherheitspuffer ist längst aufgebraucht. Als wir endlich das Flughafengebäude erreichen, trifft uns der nächste Schlag: Die Schlange zum einchecken windet sich mehrmals durch den Terminal und wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, daß unser Flieger hiermit Island ohne uns verlässt. Total frustriert schieben wir unser Gepäck im Schneckentempo über die Marmorfließen der Check-In Halle. Als wir endlich an der Reihe sind, werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß wir unverzüglich zum Gate kommen sollen. Ach nee - daß es knapp ist wissen wir auch. Und so rennen wir dann auf den letzten Metern zum Gate und huschen als Letzte in den Flieger. Verdammt, war das knapp!

Am Ufer des Myvatn
Godafoss
Blick aus unserem Wohncontainer
Auf der Ringstraße