Wir entdecken Schottlands schmale Straßen und kulinarische Besonderheiten, genießen das rauhe Klima und freuen uns, dass wir unseren kleinen Haushalt stets dabei haben.

Mittlere Highlands

Schottland - Teil 1

Mittlere Highlands

4:57 min

Lallybroch, Firth of Fourth, Glenshee

Der Morgentau auf dem Wohnmobil ist gerade getrocknet und wir machen uns unter der Morgensonne auf den Weg nach Norden zum Midhope Castle - bekannt aus der Serie „Outlander“ als Lallybroch, Heimat von Jamie Fraser. Abseits der Hauptstraße werden gleich Michas Fahrkünste getestet, denn unser Gefährt passt gerade so auf die engen Wege und schmalen Alleen, die teilweise auch noch von scharfkantigen Bruchsteinmauern gesäumt werden. Wir sind aber so früh unterwegs, dass der Verkehr noch sehr überschaubar ist.

Unser Wohnmobil füllt beinahe den ganzen Parkplatz aus und es kommt uns gleich ein Parkplatzwächter/Touristenführer entgegen, der sich über unsere Anwesenheit sehr zu freuen scheint. Immerhin bekommen wir gleich erzählt, wo wir die Höhle von Jamie finden, in der er sich vor den Rotröcken versteckt hat und welche anderen Szenen hier gedreht wurden. Das Gebäude, das für die Dreharbeiten benutzt wurde, wie auch die Umgebung sind ziemlich heruntergekommen und stark verwahrlost – nur schwer vorstellbar, wie es hier ausgesehen hat, als die Serie produziert wurde. Aber irgendwie auch lustig, wenn man die Location mal in Echt sieht und feststellen kann, wieviel die Studios dazu gezaubert haben. Zumindest sind die Nachbarn von dem neuen Touristenrummel derart genervt, dass mit großen Schildern darauf aufmerksam gemacht wird.

Wir fahren weiter nach South Queensferry an den Firth of Forth, um uns die spektakuläre zweigleisige Eisenbahnbrücke anzuschauen, die bei ihrer Eröffnung im Jahr 1890 die größte Spannweite aller Brücken weltweit hatte. Die 2523 Meter lange Stahlkonstruktion leuchtet knallrot unter einem blauen Sommerhimmel, fast ohne Wolken. Im Westen liegen zwei weitere Brücken – die alte Forth Road Bridge und die nagelneue New Forth Road Bridge. Aber zuerst einmal zwängen wir unser Wohnmobil durch die enge, einspurige Hauptstraße des kleinen, beschaulichen Hafenstädtchens und sind heilfroh, als wir auf einem großen Parkplatz unweit der Brücke einen Platz für unser Gefährt finden.

Zeit, um das Filterset auszuprobieren. Und so richten wir uns mit unserem Stativ direkt an der Wasserlinie ein und versuchen ein paar schöne Momente einzufangen. Im Anschluss erkunden wir noch das kleine Städtchen zu Fuß, beschließen dann aber uns recht zügig auf den Weg zu machen, denn wir wollen ja weiter nach Norden. Nachdem wir unsere Vorräte ergänzt haben, folgen wir dem TomTom auch schon ins Verderben. Wir folgen den Anweisungen durch das Labyrinth an kleinen Sträßchen und komplizierten Verkehrskreiseln und landen auf der der Auffahrt auf der Forth Road Bridge. Nach ein paar Metern signalisiert uns ein Linienbus hinter uns, dass irgendwas nicht stimmt: Diese Brücke ist nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Klasse, vor uns und hinter uns ist einem PKW genau das Gleiche passiert und nun heißt es langsam zurück fahren! An Wenden ist nicht zu denken: zum Ersten lässt es die Fahrbahn nicht zu und zum Zweiten befinden wir uns hier in einer Einbahnstraße. Anny steigt nun aus und hilft Micha beim Zurücksetzen, in der Hoffnung, dass jetzt nicht noch ein Linienbus kommt. Wir müssen rückwärts in den Kreisverkehr fahren, bis wir das Wohnmobil wieder um die Kurve bekommen. Die weiteren Verkehrsteilnehmer sind zwar genervt, aber dennoch geduldig genug, um uns wieder in den Verkehrsfluss aufzunehmen. Wir finden unseren Weg auf die Neue Brücke und auf den nächsten Kilometern sinkt der Puls auch wieder allmählich. Von jetzt an verzichten wir auf das Navi und beschließen, unsere Handys und Google Maps zu bemühen …

Der Cairngorms Nationalpark

Wir sind auf dem Weg zu einem Campground am Fuße des Cairngorms Nationalpark, es ist schon relativ spät, als wir an der Scone Camping und Caravanning Club Site außerhalb von Perth ankommen. Leider gibt es keine freien “hard standing pitches” mehr, nur noch “grass pitches” zuhauf. Allerdings wollen uns die Besitzer nicht aufs Gras stellen, weil Regen angesagt ist und sie Angst haben, dass nach der langen Trockenheit unsere 3,5 Tonnen im Boden versinken. Es gibt noch einen Platz direkt vor der Toilette – zwar auch Gras, aber nahe genug am Weg, so dass man im Zweifel noch rausgezogen werden könnte. Für Anny keine Option, wir campen doch nicht vor der Toilette. Also machen wir uns wieder auf den Weg und folgen der Wegbeschreibung der Besitzer zu einem Parkplatz, auf dem wir wild campen können.

Was nach 20 Minuten Fahrt klingt, werden eineinhalb Stunden. Aber jede Minute lohnt sich und wir sind froh, dass wir bei wenig Verkehr unseren Lkw zwischendurch mal kurz am Straßenrand anhalten können. Wir folgen der Old Military Road und fahren relativ schnell in den Nationalpark über Glenshee nach Norden. Die Landschaft ist spektakulär und das Abendlicht wunderschön und es hat überall kleine Parkbuchten abseits der Straße, die sich super für die Nacht eignen.

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Wir können uns gar nicht entscheiden und stellen uns nach einigem hin und her auf einen kleinen Parkplatz mit Blick über den Allta‘Ghlinne Bhig, der sich eng verschlungen aus dem Tal heraus windet. Nachdem die Mavic das spektakuläre Panorama eingefangen hat, stellen wir erstmal die Campingstühle vors Auto, ein kühles Bier dazu und genießen den Sonnenuntergang. Das haben wir uns verdient. Nach einem leckeren Camping-Abendessen lässt Micha nochmal die Drohne fliegen und nachdem wir in der Dunkelheit noch eine riesige Hirschherde von ca. 50 Tieren am gegenüberliegenden Hang beobachtet haben, fallen wir todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen geht es weiter durch den Nationalpark, der uns mit imposanten Landschaften und tollem Wetter verwöhnt. Es geht durch ein zauberhaftes Tal am River Dee entlang und wir folgen weiter der Old Military Road, die plötzlich immer schmaler wird und zu einer Single Track Road mit Ausweichbuchten mutiert. Wobei diese oft so klein sind, dass unser Wohnmobil gar nicht richtig in die Buchten hineinpasst. Aber der Verkehr ist überschaubar und Unseresgleichen kommt uns auch nicht entgegen. In Gairnshiel überqueren wir eine kleine Steinbrücke und schlängeln uns durch enge Kurven durch den Nationalpark.

Die Speyside

In Tomintoul tauschen wir unser dreistellige Landstraße gegen eine vierstellige und hätten uns nicht vorstellen können, dass die Straßenbreite noch hätte schmaler sein könnte. Anny steuert nun auch mal das Wohnmobil, ist aber heilfroh, als Micha nach ein paar Kilometern wieder übernimmt. Wir kreuzen den Livet und machen einen Zwischenstopp an unserer ersten Destille: The Glenlivet (10.000.000 Liter/Jahr). Das Wetter ist regnerisch trüb und so beschließen wir erst einmal eine Kleinigkeit zu essen und uns dann mit dem Whisky zu beschäftigen.

Wir sind nun in der Speyside – Schottlands berühmtester Whisky-Region. Hier reihen sich um die 50 Destillen aneinander, die meisten unmittelbar am Fluss Spey entlang, der der Region ihren Namen gibt. The Glenlivet, Glenfiddich, Aberlour, MacCallan – Whisky, soweit das Auge reicht. In den meisten Destillerien schauen wir uns aber nur kurz um, denn nach kurzem aber intensivem Studium sind wir nun mit der Herstellung von Destillaten bestens vertraut. Wir nehmen hier und da ein paar Tasting-Sets mit, kleine Miniatur-Flaschen zum erhöhten Preis, aber letztendlich wollen wir ja nicht jedes Mal einen dreiviertel Liter erwerben – vor allem da die Produkte in Schottland ca. 10% teurer sind und überhaupt: so viel Whisky kann wirklich keiner trinken.

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Gleich ums Eck machen wir eine Führung bei Glenfiddich, eine weltbekannte Marke und ebenfalls eine der größten Produzenten von 10.000.000 Litern im Jahr. Deshalb dachten wir im ersten Moment eher an Durchschnitts-Massenware à la Jack Daniels. Doch die Marke mit dem Hirsch ist eine der wenigen Destillerien in Schottland, die noch in privater Hand sind und nicht an große Konzerne wie Pernod Ricard, Moet Hennessy Louis Vuitton, Bacardi oder Diageo verkauft wurden. Außerdem haben sie noch eigene Küfer, die die Fässer in Handarbeit selbst herstellen, die meisten anderen Destillen kaufen ihre Fässer ein. Unser Guide Emma erzählt uns mit großem Stolz von der Whiskyproduktion. Das Wasser kommt aus der Robbie Dubh Quelle, die Familie hat kurzerhand mehrere Hektar Land gekauft, um die Quelle vor Verunreinigung und vor der Konkurrenz zu schützen. Die ganze Führung über wird das „Robbie Dubh Spring Water“ in einer Regelmäßigkeit erwähnt, die es uns gegen Ende fast unmöglich macht, das Lachen zu verkneifen. Man könnte fast denken, das Robbie Dubh Spring Water ist Zauberwasser. Im Duty Free Whiskykeller ist jeder Cent kostbar und deshalb wird der Whisky erst versteuert, wenn er auf 42% Alkoholgehalt reduziert wurde. Kurioserweise dürfen wir hier leider nicht fotografieren – wegen des Alkoholgehalts in der Luft. Was genau das jetzt mit unserer Digital-Kamera zu tun hat, ist uns schleierhaft. Explosionsgefahr heißt es. Wir glauben eher, sie wollen ihre geheimen Whiskyvorräte nicht auf Instagram sehen.

Wir besuchen kurz Aberlour (3.500.000 Liter/Jahr), die im Vergleich zu den großen Destillen geradezu verschlafen wirkt. Unscheinbar am Ortsrand von Charlestown of Aberlour passen auf den Besucherparkplatz gerade einmal 5 Autos. Und kein Wohnmobil. Das muss weiter im Hof neben den 32-Tonnern parken, die für den Gersten-Nachschub sorgen. Der Tag ist noch jung und wir beschließen zurück zur Macallan Destillerie (6.000.000 l) zu fahren. Äußerst protzig liegt das nagelneue Gebäude in der Landschaft, und im Gebäude kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Tausende Whiskyflaschen sind vom Boden bis zur Decke in einer riesigen Glasvitrine ausgestellt, wir geben ungern zu, äußerst beeindruckend. Auch hier gibt es das obligatorische Probierpaket – die Führungen sind schon lange im Voraus ausgebucht. Und tatsächlich schmeckt der Whisky ausgezeichnet.

Aber wenn wir schon einmal in Aberlour sind, besuchen wir das ausgezeichnete Pub “The Mash Tun” und lassen es uns mit einer Schottischen Lachs-Platte und Cheese-Steak Sandwiches mit Whiskyempfehlung und einem Lager gut gehen. Anfangs ein wenig ungewohnt passt der rauhe 15 Jahre alte Glenfarclas dann doch hervorragend zur kalorienreichen schottischen Küche. Bevor es weitergeht, muss erst einmal die Fahrtauglichkeit wieder hergestellt werden und so spazieren wir noch ein wenig am Spey entlang und ergänzen unsere Vorräte in der Stadt.


Loch an Eilean

Es geht nach Süden – wir folgen dem Spey und freuen uns an der sanften, hügeligen Landschaft, durch das sich das schwarze Wasser zieht. Das nächstes Ziel ist Loch an Eilean, ein kleiner See im Tal des Spey in der Nähe von Aviemore. Das besondere an diesem See ist eine kleine Burgruine, die auf einer Insel am Rande des Sees sitzt und ursprünglich durch eine Brücke mit dem Festland verbunden war – und jetzt natürlich ein tolles Fotomotiv abgibt. Im 18. Jahrhundert wurde die Anlage aufgegeben, da sie nicht mehr den militärischen Erfordernissen entsprach.

Nachdem die Straßen immer schmaler werden und es für Kilometer keine Ausweichmöglichkeiten gibt, können wir endlich das Womo auf den nahen Parkplatz abstellen. Zum Glück ist hier nicht viel los und wir dürfen hier auch wild campen. Allerdings soll man pro Nacht 10 Pfund zahlen, was die Worte „wild campen“ ein bisschen ad absurdum führt. Da aber „leider“ kein Mensch da ist, um abzukassieren, und es auch keinen Briefkasten für die Bezahlung gibt, wird der Aufenthalt dann doch recht günstig. Das Wohnmobil ist geparkt, jetzt geht es erstmal zum See. Und hier kommen wir erstmals in Berührung mit den berühmten Midges. Die kleinen Mücken sind eine häufige Plage in den schottischen Highlands, kleine bissige Biester, die aber wirklich in jede Körperöffnung fliegen und am ganzen Körper kleine rote, juckende Stellen hinterlassen. Wir versuchen, die Dinger so gut es geht zu ignorieren. Als Anny sich für eine Langzeitbelichtung auf ein paar Steine am Wasser setzt, und sich für 2 Minuten nicht bewegen darf, wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Die Viecher krabbeln unter die regennasse Kapuze, in die Haare, in die Nase – aber ganz tapfer hält sie durch. Als der Regen stärker wird, geht es zurück ins Womo. Abendessen und danach ein kleiner Schluck Whisky. So lässt es sich leben…

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Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, in der Hoffnung, Nebelschwaden über dem See zu haben, da es die ganze Nacht geregnet hat. Dem war leider nicht so, weshalb wir uns nach dem Frühstück dann auch in Richtung Loch Ness aufmachen. Wir fahren auf der ruhigeren, linken Talseite am Fluss entlang und bewundern die jetzt flache, sonnendurchflutete Landschaft, nachdem die Sonne so langsam den Kampf gegen die Wolken gewinnt. Wir beschließen noch kurz ein Luftbild zu machen aber der Akku ist schon ziemlich leer. Also nur kurz hoch und wieder runter. Micha entschließt sich aber dennoch eine kleine Runde zu drehen, befindet sich auf dem Rückflug als die “Return to Home” Funktion das Fluggerät übernimmt und direkt vor dem WoMo auf der Landstraße landet – unter den erstaunten Blicken des wohl einzigen Autofahrers an diesem Morgen.

Wir kommen an der Speyside Distillery vorbei. Der Abzweig ist zwar nicht schwierig zu finden, aber mit Absicht dezent gehalten, wie sich im Nachhinein herausstellt. Da die Destille nur für angemeldete Besucher geöffnet ist, ziehen wir die unschuldige Touristenkarte, das Schild haben wir bei der Einfahrt doch tatsächlich „übersehen“. Und trotz allem ist die Besitzerin äußerst freundlich, vor allem als Micha nach einem Shop fragt. Im Keller einer alten Mühle gibt es ein paar edle Tröpfchen zu kaufen – dem Whisky wird kein Farbstoff zur Färbung zugesetzt, das Destillat wird nicht gefiltert, und es gibt keine Blends! Das heißt, jedes Fass hat zwar eine geschmackliche Grundrichtung, variiert aber in Nuance und ist immer individuell. Micha kauft 2 Flaschen, die beide auf einem Port-Fass ausgebaut wurden, eine Seltenheit, normalerweise reifen Whiskys in Sherry- oder Bourbon-Fässern. Wir schauen uns noch ein bisschen in der kleinen, verträumten Anlage um und machen uns wieder auf den Weg.

Loch Ness

Über Spean Bridge fahren wir weiter nach Loch Ness. Wir kommen am Commando Memorial vorbei, von dem wir eine beeindruckende Aussicht auf den höchsten Berg Schottlands “Ben Nevis” und seine Geschwister haben. An der Südseite des Lochs entscheiden wir uns dem Touristenrummel von Fort Augustus und seinen asiatischen Horden zu entfliehen und treiben unser Wohnmobil auf engen, steilen Straßen in die Highlands. An einem kleinen Pass auf der General Wade’s Military Road finden wir einen Parkplatz und beschließen, das Hochplateau zu erkunden. Und wenn man meint, die Straße könnte nicht mehr schlechter werden, so wird man doch immer wieder überrascht. Um nach Foyers zu gelangen, schlängelt sich die Straße genau so wild durch die Hügel wie der gleichnamige Fluß. Aber wir haben uns eben einen Campground an der weniger besuchten Ostseite des Sees ausgesucht, der auch noch ein Plätzchen für uns frei hat. Die Sonne kommt tatsächlich nochmal durch und Anny geht erstmal ans Ufer und genießt die Sonnenstrahlen am Wasser bei einem kleinen Spaziergang – nicht ohne die Kamera versteht sich. Nessie ist allerdings nicht aufgetaucht ;-) Danach setzen wir uns gemütlich vor unser Womo in die Sonne, so oft bietet sich hier ja die Gelegenheit nicht, deshalb wird jeder Sonnenstrahl ausgenutzt.

Culloden & Fort George

Der nächste Tag hat die Sonne wohl endgültig vertrieben. Es windet und die Welt präsentiert sich in einem regnerischen Grau, als wir die gesamte Ostküste des Sees entlang weiterfahren in Richtung Inverness. In der Nähe kommen wir an Culloden vorbei, dem berühmten Schlachtfeld, auf dem die aufständischen Jakobiner gegen die englische Armee gekämpft – und dabei ihr Leben verloren haben. Und nicht nur das. Nach dieser verlorenen Schlacht um Bonnie Prince Charles ist praktisch die gesamte schottische Clan-Kultur zum Erliegen gekommen. Die Engländer haben großflächige Säuberungsaktionen durchgeführt und zudem alles verboten, was mit dieser Kultur einherging – heidnische Bräuche, das Tragen der Kilts – und außerdem wurden sämtliche Clanchefs ihrer Macht beraubt.

Das Museum in Culloden beschreibt sehr eindrucksvoll die Geschichte um diese Schlacht, auf der einen Seite aus englischer Sicht, auf der anderen Seite aus der Sicht der Jakobiner. Auf dem Schlachtfeld selbst ist nicht mehr viel zu sehen. Aber um einen Eindruck der Mannstärke und Linienaufstellung zu bekommen sind mithilfe roter und blauer Fahnen die Positionen beider Gegner aufgezeigt. Und auf dem Feld verteilt sind Gedenksteine der unterschiedlichen Clans, die bei der Schlacht praktisch komplett ausgelöscht wurden. Vor dem Gedenkstein der Frasers ist besonders viel Verkehr, das ist wieder der Serie Outlander um Jamie Fraser geschuldet. Aber das ganze ist nicht nur ein Touristen-Hotspot, hier kommen wirklich Nachkommen der berühmten schottischen Clans wie McKenzie, McDonald oder Stewart vorbei, um Blumen abzulegen und ihrer Vorfahren zu gedenken.

Da wir heute historisch unterwegs sind, geht es weiter zum Fort George, einer beeindruckenden Verteidigungsanlage für ein Infanterieregiment von 1.600 Mann aus dem 18. Jahrhundert, die nach den Jakobineraufständen und der Schlacht um Culloden erbaut wurde, aus Angst vor erneuten schottischen Aufständen und um das Land zu befrieden. Zumindest aus rein englischer Sicht. Vollständig erhalten ist die barocke Anlage ein Juwel geometrischer Anlagen seiner Zeit. Im Kommandanturgebäude befindet sich das Regimentsmuseum der Queen’s Own Highlanders. Genau das richtige für einen regnerischen Tag.

Ullapool

Das Wetter ist eher bescheiden, weshalb wir uns entschließen, direkt bis zur Westküste nach Ullapool zu fahren, von dort gehen Fähren auf die äußeren Hebriden. In Ullapool angekommen, fahren wir auf einen abgelegenen Campground am Wasser. Eigentlich wunderschön hier, aber es regnet in Strömen und der Wind bringt das Wohnmobil gehörig zum Wackeln. Bis wir ordentlich geparkt und uns ans Stromnetz angeschlossen haben, sind wir schon völlig durchnässt.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist plötzlich die Sonne da. Erfreut machen wir erstmal ein Bild vom Ufer im Sonnenlicht. 10 Minuten später ist nämlich alles vorbei und es regnet schon wieder in Strömen. Wir fahren nach Ullapool zum Fährterminal, um dort festzustellen, dass die Fähre nach Lewis soeben abgelegt hat. Die nächste geht heute Abend um 17 Uhr. Super. Wir beschließen, den Tag zu nutzen, um Postkarten zu schreiben und unsere Vorräte aufzufüllen. Mittags hechten wir in einer kurzen Regenpause in ein leckeres Fischrestaurant, wenn wir schon am Meer sind, wollen wir natürlich frischen schottischen Fisch! Und wir werden nicht enttäuscht. Nachdem wir erstmal 2 „Bests“ bestellen – das schottische Ale avanciert zu unserem Bier des Urlaubs – gibt es als Vorspeise Jakobsmuscheln auf Black Pudding. Das schottische Gericht steht schließlich noch auf der Liste der zu testenden Nationalgerichte. Und es schmeckt äußerst lecker. Als Hauptspeise gibt es jeweils 2 Fischgerichte, Micha hat Lachs, Anny eine Regenbogenforelle. Natürlich mit den obligatorischen Pommes.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf geht es gegen Nachmittag auf die Fähre nach Stornoway. Es ist äußerst stürmisch und trotz der Größe der Fähre haben einige Menschen ganz schön zu kämpfen. Wenn der Bug ab und an mit Wucht in einen herannahenden Wellenberg kracht, dann spritzen die Wassermassen bis ans obere Aussichtsdeck, also mit Sicherheit 10 m hoch. Das Zittern, daß dann durch das ganze Schiff geht ist beachtlich. Und auf Deck muss man nun auch wirklich aufpassen, daß der Wind einen nicht umweht. Umso schwieriger gestaltet sich das Fotografieren. Magen und Kamera sind kaum ruhig zu halten, aber das Licht an diesem Wind gequälten Abend ist einfach wunderschön!

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