Napi Trail

Pretoriuskop Camp

Über das Numbi Gate am Südosten des Parks erreichen wir bequem das Camp, wo wir unseren Toyota die nächsten drei Tage parken werden. Auf dem Parkplatz werden wir von unseren Guides in Empfang genommen und wir treffen unsere Reisegruppe für die nächsten 3 Tage. Darunter ein Bird Watcher aus England. Unser Gepäck wird verstaut, wir sitzen auf und fahren mit den offenen Landrovern auf der S11 ca. 20 Kilometer auf der Pretoriuskop-Skukuza Road Richtung Osten. In einer feuchten Senke neben der Straße sehen wir plötzlich ein Breitmaulnashorn und die Guides lassen sich Zeit, damit wir den Moment auch genügend würdigen können. Wir fahren weiter um irgendwann unvermittelt einfach rechts in den Busch abzubiegen und rumpeln mit Getöse durch das Gelände. Die 6 km auf holpriger Straße fühlen sich wie eine kleine Ewigkeit an und wir erreichen am frühen Abend das Camp, inzwischen renoviert und geschützt durch einen elektrischen Zaun, nachdem ein Elefant es vor ein paar Jahren komplett verwüstet hatte.
Die Unterbringungen bestehen aus 6 geräumigen Safarizelten aus Segeltuch, die auf hölzerne Plattformen errichtet wurden und sich gut 1,20 m über dem Boden befinden. Das Bad mit Toilette ist an der Schmalseite des Zeltes vom Hauptraum abgetrennt und rustikal, aber komfortabel eingerichtet. Und wir haben einen Untermieter: Ein Gecko flitzt hier und da über die Zeltbahnen – ein Zeichen für gutes Raumklima sagt man uns. Der macht ja auch nichts und ernährt sich von dem Getier, dass wir eh nicht so gerne im Raum sehen!

Das Camp liegt am Zusammenfluss von Mbyamithi and Napi auf einer Sandbank. Von dort haben wir einen herrlichen Blick auf die Flusslandschaft und das umliegende waldige Bushveld. Wie auf einem Tablett präsentiert, zupft ein riesiger Elefantenbulle an der saftigen Vegitation; 'Oh-oh' wird er genannt, wohl wegen seinen Einbruchsversuchen im Camp oder generell wegen seines Temperaments. Wir finden uns nach Sonnenuntergang zum Abendessen im Gemeinschaftsbau ein, das große reetgedeckte Hauptgebäude, in dessen Mitte eine lange Tafel steht. Zwei große Petroleumlampen spenden flackerndes Licht und es ist ein wenig mühsam zu erkennen, wer einem gegenüber sitzt. Aber im Schein des spärlichen Lichtes herrscht reger Betrieb. Hier summt und brummt es in bis dato unbekannter Form! Die fliegenden Krabbeltiere lassen sich natürlich gerne in der Nähe der Lichter nieder, aber die schiere Anzahl lässt einen unwohl werden. Zur Vorspeise gibt es einen Salat und als Anny zur Salatsoße greifen möchte, entdecken wir eine Gottesanbeterin, die die Flasche schon besetzt hat. Also gibt es den Salat trocken. Wir entscheiden uns dafür Tee zu trinken, denn wir wissen ja nicht, wie wir das Wasser hier aus der Quelle im Park vertragen. Und so nippen wir launisch bei über 30 Grad an unserem Heißgetränk bis unser Koch das Buffet eröffnet: Braten mit Süsskartoffelstampf, Kürbis und viel Gemüse. Lecker! Ab und an gehen wir in Deckung, wenn ein Mistkäfer mit lautem Gebrumm durch die Luft torkelt und einen treffsicher irgendwo am Körper berührt und souverän schöpfen wir die großen Motten und Falter mit dem Löffel aus unserem Essen, als ob nichts gewesen wäre. Und da unsere Guides ebenfalls zuerst in ihre Tassen leuchten, bevor sie daraus trinken, kommt uns das irgendwann auch nicht mehr ganz so verrückt vor. Nach der dritten Tasse Tee halten wir es mit dem warmen Zeugs nicht mehr aus. Wir denken "Egal" – wir haben furchtbaren Durst und es ist einfach zu warm für Tee, also trinken wir das Wasser aus der Quelle. Sollten wir jetzt die Flitze bekommen, dann geschieht uns das sicherlich recht, aber so geht’s nicht weiter.
Die Nacht ist erfüllt mit einem Klangteppich aus allem, was irgendwie Krach machen kann. Wir liegen unter unserem Moskitozelt und fragen uns, wie wir bei diesem Lärm überhaupt ein Auge zu bekommen können. Zu allem Überfluss hat sich jetzt noch eine Froschfamilie unter unserem Zelt eingefunden und beginnt nun mit ihrem nächtlichen Diskurs.

Kurz vor Sonnenaufgang werden wir geweckt und wir hüpfen in unsere Klamotten – selbstverständlich erst nach einem prüfenden Blick, ob sich etwa nächtliche Mieter darin befinden. Wir lernen auch sehr schnell beim Toilettengang stets einen prüfenden Blick unter die Klobrille zu werfen. Und wir hoffen, dass unser Gecko gute Dienste verrichtet. Wir nehmen ein paar Kekse, Toast und etwas Kaffee zu uns, bevor es los geht. Nach einem Briefing, wie wir uns in der Wildnis zu verhalten haben und dass wir den Anweisungen der Range stets Folge zu leisten haben, setzt sich die kleine Kolonne in Bewegung. Unser Taschenführer meint, die Wanderungen führen durch das seichte Buschland, welches einige interessanten Granitfelsen enthält und der Tierreichtum in diesem Teil des Nationalparks sei bemerkenswert. Unzählige Antilopenarten, Büffel, Elefanten, Giraffen, Löwen sowie andere Raubtiere, Nashörner, weitere Säugetiere und auch eine artenreiche Vogelwelt seien in diesem Gebiet beheimatet. Lassen wir uns also überraschen! Der Morgentau liegt noch schwer auf den Gräsern und funkelt und glitzert in der Morgensonne.

Bush Walk, Napi-Trail

Napi-Trail, Krüger Nationalpark
Napi-Trail

2:01 min

Wir schlängeln uns durch das hügelige Gelände, und bewegen uns ruhig und leise, um nicht die ganze Tierwelt zu verscheuchen, die wir ja eigentlich sehen wollen. Wir müssen aber einsehen, dass so gut wie alles vor uns davonrennt. WIR verkörpern die Gafahr auf zwei Beinen, denn wir gleichen mit unserer Silhouette Raubkatzen, die zum Sprung ansetzen. Super – warum machen wir das denn dann? Na, weil’s auch unheimlich aufregend ist. "Cats are easy to walk" sagt unser Guide – d.h. sie lassen einen recht nahe rankommen und wenn’s ihnen zu unangenehm wird, gehen sie einfach.
Eigentlich müssen wir uns vor allem verstecken, damit wir die Tiere nicht aufscheuchen. Nur Büffel wollen die Bedrohung sehen. Sprich, wir stellen uns der nächsten Herde einfach gegenüber. Es ist allerdings ein sehr seltsames Gefühl, wenn dich eine Herde von 100 Büffeln anschaut. Nur einzelne Büffel-Bullen muss man mit Respekt zu begegnen, die sind schon mal angriffslustiger. Und Elefanten sind gefährlich. Wir machen wegen einer Herde in der Nähe einen riesigen Umweg, nur damit wir ihnen nicht zu nahe kommen.

Als wir das trockene Flussbett des Mbyamithi kreuzen, bekommt Micha richtig Ärger mit den Rangern. In der Mitte stehen zwei imposante Nashörner und Micha macht, was jeder Fototouri macht: Er bleibt stehen und fotografiert erst einmal die zwei Prachtexemplare, anstatt sich auf der anderen Uferseite zu verstecken und sich in Sicherheit zu bringen. Die Aktion war extrem leichtsinnig. Wir wurden zwar gebrieft, wie man einen Nashornangriff überlebt, sollten es ja aber nicht unbedingt gleich ausprobieren. Und in der Tat: man wartet so lange, bis der angreifende Güterzug einen fast erreicht hat und springt im letzten Augenblick einfach zur Seite. Toller Trick! Und danach gibt’s dann auch ne frische Hose!

Überquerung des Flussbetts
Sundowner, Kopjes
Am frühen Morgen
Unsere Ranger mit Waffengeleit

 

Ein paar Sätze über Artenschutz

Micha hat nun als einziger Nashornbilder und wir bekommen eindringlich erklärt, dass wir auf keinen Fall die Bilder in irgendwelche sozialen Netzwerke stellen sollen. Denn die chinesische Nashorn-Mafia nutzt die Arglosigkeit der Touristen aus um zu schauen, wo sich das nächste Tier zur elendigen Schlachtung finden lässt. Die Zugriff-Teams der Wilderer sind gut finanziert und noch besser ausgerüstet. Nachtsichtgeräte, Militärhelikopter, Spezialeinheiten seien Standard – eine 'Extraktion' dauert so nur zwischen 8 und 15 Minuten. Und wenn es mit der Geschwindigkeit der Ausrottung so weiter geht, dann gibt es bis 2018/20 keine Tiere mehr. Keine schönen Aussichten - einige Parks sind ja mittlerweile dazu übergegangen, ihren Tieren einfach die Hörner selbst abzunehmen. Sieht zwar doof aus, hilft aber den Tieren.

 

Am späten Nachmittag geht es noch mal hinaus in die Wildnis und wir haben eine kleine Tête-à-tête mit unserem Camp-Elefanten 'Oh-oh'. Wir fahren gerade mit unseren 'Landies' den sandigen Zufahrtsweg zu unserem Camp entlang als wir auf eine Gruppe Elefanten stoßen. Unsere Guides entschließen sich trotz der Nähe zu den Tieren, an diesen vorbeizufahren und als wir auf der Höhe von dem letzten Elefanten sind, stellt dieser die Ohren auf, trompetet laut und demonstriert seine Kraft, indem der gleich einen 3m Baum mit Getöse aus dem Boden reißt. Die Range halten sofort an, signalisieren dem Tier, daß von uns keine Gefahr aus geht und von einer zur nächsten Sekunde mampft “Oh-oh“ wieder sanft an den saftigen Grasbüscheln um den ausgerissenen Baum herum. Gegen Abend erklimmen wir einen der abgeschliffenen Kopjes und genießen den Sonnenuntergang im Krüger Nationalpark.

Haben wir uns doch die ganze Zeit über unsere Birdwatcher lustig gemacht, weil diese gefühlt wegen jedem Spatz anhalten, ihre Bestimmungsbücher herausholen und ihre selbst erstellten Excell-Tabellen abgleichen, müssen wir neidvoll anerkennen, dass diese fast eine höhere Spotting-Rate haben als unsere Ranger. Auf dem Rückweg fahren wir bereits durch das tiefe Schwarz der Nacht, als ein Gepard für ein paar Augenblicke unseren Weg kreuzt. Und sogar ein Leopard Jungtier können wir im Schein der Fahrzeuglichter im hohen Gras erahnen. Zum Fotografieren reichen die Lichtverhältnisse natürlich nicht mehr aus, aber wir sind glücklich diese Tiere überhaupt gesehen zu haben!

Das Abendessen nehmen wir vollkommen entspannt und gelassen ein. Keines der vielen Flugtiere kann uns aus der Ruhe bringen, bis der Koch uns einen Skorpion auf seiner Schöpfkelle präsentiert! Dem Tier ist es in der Kelle zu dumm und mit einem 'Plock' landet er irgendwo in der Schwärze der Nacht auf dem Boden. Und das war’s dann mit der Gelassenheit. Die Damen stülpen nun die Socken über die Hosen und der Rest der Anwesenden zieht kaum merklich beim Essen die Knie an. Auf die Frage, ob das Exemplar giftig war, zuckt der Koch nur mit den Schultern - 'Keine Ahnung'. Na klasse …

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