Namibia Quick Map

Namibia Quick Map

Das ehemalige Deutsch Südwestafrika ist der perfekte Einstig, sagt man uns, um diesen Kontinent kennen zu lernen. Ein wenig Abenteuer, wilde Tiere, freundliche Menschen und eindrucksvolle Landschaften liegen vor uns.

Die Anreise

Per Rail&Fly geht es nach Frankfurt, von wo wir mit einem recht neuen Airbus A330-200 dann auch in die Nacht starten. Unter uns ziehen die vielen Lichter Europas vorbei und man kann teilweise die Geografie anhand der beleuchteten Umrisse erkennen. Ab dem Mittelmeer wird es dann dunkel. Und das bleibt es dann auch. Nur an der Küste Algeriens und Tunesiens gibt es ein zartes Lichtband, danach wird alles schwarz wie die Nacht. Der schwarze Kontinent bekommt hier eine seltsam andere Bedeutung. Hier und da gab es ein paar Lichtkleckse, so wissen wir wenigstens, dass wir über den Kontinent fliegen. Eine fast wolkenfreie Nacht gibt den Blick auf einen fantastischen Sternenhimmel frei - etwas, das wir in dieser Form nicht kennen. Der Himmel ist gar nicht schwarz, er ist übersät von Milliarden kleiner Lichtpunkte, vergleichbar mit einem groben Korn oder Bildrauschen. Sehr beeindruckend!

Namibia - Der Norden

Wir erreichen Windhoek Hosea Kutako International Airport in der Morgendämmerung mit genügend Licht, so dass man die Umrisse der Gebäude erahnen kann, die sich gerade aus dem Schatten der Nacht schäten. Das Flugzeug parkt knapp 20 Meter neben dem einzigen Flugstreifen und wir laufen über das Rollfeld zum Terminal. Die Luft ist frisch, aber nicht kühl und von einem süßlichen Duft erfüllt, der stark an Süßholz, Zimt und Anis erinnert. Nachdem die Formalitäten der Einreise erledigt sind, sehen wir auf den Monitoren der Flughafenhalle lediglich drei Positionen und haben gleich das Gefühl, dass sich die Flugsicherung hier sicherlich nicht überarbeitet. Es gibt unseren Flug, der gerade angekommen ist und heute Abend wieder zurück fliegt und noch einen weiteren Inlandsflug.

Nachdem wir uns mit Namibia Dollar eingedeckt haben, reihen wir uns in die schier endlose Schlange bei der Autovermietung von Budget ein. Zwei Stunden später, genauer gesagt um 8:00 Uhr, werden wir dann auch endlich zu unserem Fahrzeug geführt. Einen weißen Nissan X-Trail 2x4. Nach der genauen Inspektion und Einführung und dem verstauen unseres Gepäcks geht es dann auch los. Es ist ein seltsames Gefühl auf der rechten Seite des Wagens zu sitzen - die Pedale und die Handschaltung sind zwar gleich angeordnet, aber die Koordination des linken Arms zum Schalten lässt schwer zu wünschen übrig. Und wenn man dann noch gefühlt auf der falschen Straßenseite unterwegs ist, fühlt man sich in die Anfänge der Fahrschule zurückversetzt. Aber Co-Pilot Anny hilft am Anfang lautstark mit daran zu denken, beim Abbiegen, Kreisverkehr oder Spurwechsel dann auch wieder auf die richtige Fahrbahn zu gelangen. Und so rumpeln wir mit unseren Geländereifen durch das karge Land zuerst durch Windhoek und dann über die B1 nach Norden. Die Armut links und rechts der Straße macht uns fassungslos, die rudimentäre Bebauung ebenfalls. Denn neben den Häusern aus Stein gibt es viele einfache Behausungen aus Holz und sogar einige Rundhütten.

Wir wollen uns mit dem Nötigsten eindecken und beschließen in Okahandja einen Supermarkt aufzusuchen. Wir parken direkt davor und es kommt sogleich ein Schwarzer auf uns zu, der uns versichert, auf den Wagen aufzupassen. Den Fotorucksack nehmen wir mit zum Einkaufen, wir trauen der ganzen Sache hier irgendwie doch nicht so ganz. Und als wir zwischen den Regalen Sandwichzutaten suchen, fällt es uns auf: Wir sind die einzig Weißen weit und breit. Ein mulmiges Gefühl beschleicht uns und wir packen fix unsere Sachen. Draußen bekommt unser Parkwächter einen Dollar und wir fahren weiter.

Neben der Straße hat es ab und an ein paar Picknick Plätze und wir machen bald Rast. Im Verlauf unserer Reise sehen wir jedoch niemanden, der irgendwo im ganzen Land an diesen Plätzen mal eine Pause gemacht hätte. Nur die bleichen Touristen aus Deutschland mal wieder!

Die Okonjima Nature Reserve

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Okonjima Nature Reserve, wir verlassen die Hauptstraße und fahren zum ersten Mal mit unserem Geländewagen die 30 km über die roten Sand- und Staubstraßen der 5.400 Hektar großen Anlage bis zur Lodge. Wir werden herzlich empfangen, es gibt einen kühlen Eistee und wir beziehen nur kurz unser Zimmer, denn wir gehen gleich auf Safari! Auf dem Parkplatz steht schon der offene Land Rover, liebevoll nur „Landy“ genannt, mit 3 Sitzbänken - also für 9 Personen. Wir sind heute nur zur viert unterwegs und treffen ein Ehepaar aus Deutschland, die zum Abschluss ihres Namibiaaufenthalts in Okonjima ihre letzte Geländefahrt machen. Amüsiert schauen sie uns zu, wie sehr wir uns über unsere erste Giraffe freuen, die ein paar Meter weg an trockener Vegetation knabbert. Wir freuen uns jedenfalls ein Loch in den Bauch, als ein Impala und ein Kudu den Weg kreuzen. Das Gelände ist hügelig und ein Weg so gut wie nicht vorhanden. Der Land Rover torkelt durchs Gelände, dass es einem fast schlecht wird und man nicht so recht weiß, wie man sich mit einer Kamera auf dem Schoß vernünftig festhalten kann. Aber da es nur mit „Schleichfahrt“ vorwärts geht, fällt auch keiner vom Wagen runter. Unser Guide macht langsam und zeigt uns eine Gazelle, die im Baum hängt. Sicheres Zeichen für erhöhte Leopardendichte in der Gegend! Und tatsächlich sehen wir dann auch das mächtige Tier unter dem Baum im Dickicht. Wir fahren so gut es geht an das Tier heran und beobachten es, wie es sich mit vollem Bauch im Fresskoma erholt. Es ist warm und der Leopard ist erschöpft und hechelt stark. Was für ein Exemplar! Da werden sogar unsere Deutschen nervös - scheinbar fehlte diese Sichtung auf der Liste! Wir amüsieren uns ein wenig über diese Liste und wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir bald unsere eigene haben werden … Auf dem Rückweg stolpern noch ein paar Perlhühner über den Weg und wir freuen uns, dass wir so viel gesehen haben.

Der Leopard aus dem Bilderbuch

Kurz vor der Lodge biegen wir aber noch mal ab und hören, dass es noch einen weiteren Leopard (ein Weibchen) in der Nähe hat. Unser ungeübtes Auge entdeckt sie natürlich erst, als wir ihr beinahe über den Schwanz fahren. Der zuckt nervös hin und her - sie sei im „Jagd-Modus“ wird uns gesagt. Unbeeindruckt von unserer Anwesenheit posiert das Tier für ein paar Sekunden und schaut Anny durch das Tele direkt in die Augen. Und klick - das Bild des Tages ist gemacht! Elegant schreitet der Leopard an unserem Wagen vorbei und wir fragen uns, was eigentlich passiert, wenn so ein Tier mal auf die Idee kommt, kurz zu uns auf die Bank zu hüpfen. Der Fahrzeug ist ja schließlich auf allen Seiten offen. Berauscht von den fantastischen Sichtungen, genießen wir den heutigen „Game Drive“ mit einem „Sundowner“ auf der Motorhaube. Wir stehen beisammen, genießen den Sonnenuntergang und schlürfen an unserem Windhoek Lager oder Gin & Tonic.

Zurück in der Lodge finden wir uns ein, um im Gemeinschaftsgebäude mit allen Gästen das Abendessen einzunehmen. Es ist für alle Anwesenden ein wenig ungewohnt, zusammen an einem großen Tisch zu sitzen. Aber die Runde aus Deutschen, Holländern und Briten ist nett und jeder hat eine andere Safari Geschichte zu erzählen. Kurz darauf fallen wir wie Steine ins Bett - Jet Lag haben wir zwar nicht, aber im Flieger war der Schlaf nicht wirklich erholsam und die lange Autofahrt auf ungewohnten Terrain und Straßenseite war extrem anstrengend.

Es ist weit vor Sonnenaufgang, als wir die Landies erklimmen. Diesmal fahren wir vollbesetzt mit mehreren Fahrzeugen hinaus. Da unser Gefährt aber einen Platten hat, verzögert sich die Abfahrt um ca 15 Minuten, bis der neue Reifen drauf ist. Somit ist der Konvoi schon lange weg und wir machen uns alleine auf den Weg. Vielleicht gut so, denn die anderen suchen vergeblich die Geparden, den wir zumindest schon mal geortet haben. Kurz nach der Dämmerung steigen wir aus und laufen durch den Busch, gepuffert zwischen den Guides, die lediglich mit einem soliden Hickory-Stiel „bewaffnet“ sind. Leise sind wir nicht gerade unterwegs, aber schon bald entdecken wir einen Geparden im hohen Gras. Der brummelt wie eine Katze - eben nur in groß. Und gibt uns deutlich zu verstehen - bis hier hin und nicht weiter. Wir respektieren das und beobachten gebannt bei seiner Morgentoilette, wie er sich reckt und streckt und sein Fell säubert. Und das alles ca 8m weit entfernt. Zum Greifen nah - fantastisch!

Kleiner Umweg zum Waterberg

Nach der Safari brechen wir gleich auf, denn wir wollen ja heute noch zum Waterberg. Das haben wir spontan entschieden, denn das Plateau liegt quasi auf unserem Weg. Kleiner Abstecher von knapp 60 Km sollte kein Thema sein und wir erreichen den Eingang des Nationalparks noch vor Mittag. Wir steigen aus und werden erst einmal von der Hitze erschlagen. Es hat über 30 Grad und wir denken kurz darüber nach, ob wir wirklich hoch auf das Plateau wollen. Wollen wir und so folgen wir einer weißen Felsmarkierung in Form eines Fußabdruckes und quälen uns den Berg hinauf. Je höher wir kommen, desto angenehmer wird es, es kommt sogar noch ein Wind auf. Das 48 Kilometer lange und 15 Kilometer breite Plateau überragt seine Umgebung um fast 200 Meter und wir genießen das Panorama als wir oben ankommen. Traurige Berühmtheit erlanget der Ort durch die Schlacht am Waterberg am 11. und 12. August 1904 während des Aufstands der Herero. Gegen Nachmittag erreichen wir wieder unseren Wagen, nachdem wir noch ein paar Klippschliefer zwischen den Felsspalten gesehen haben und machen uns dann auf den Weg zum Etosha National Park. Wir haben ein wenig die Straßenführung und die Distanz, die wir noch zurücklegen müssen, unterschätzt und so sind wir nach Dämmerung immer noch kilometerweit von unserem Tagesziel entfernt. Es ist stockfinster, kein Licht weit und breit und die B1 ist nur ab und an mit einer Mittelmarkierung versehen. An den Rändern gibt es nichts, das zur Orientierung dienlich wäre. Das Fernlicht unseres Wagens wird förmlich von der Dunkelheit geschluckt und hilft gefühlt auch nicht viel mehr. Richtig unangenehm wird es, wenn einem ein Lkw entgegenkommt und man ist minutenlang der Flutlichtanlage der Zugmaschine ausgesetzt. Auch ist die Gefahr enorm groß, dass aus der Dunkelheit plötzlich eine Antilope vor das Auto springt oder sogar ein Nilpferd oder Elefant!

Das Mushara Bush Camp

Um 22:00 Uhr erreichen wir endlich das Mushara Bush Camp. Noch im Scheinwerferlicht unseres Autos werden wir herzlich begrüßt, unser Gepäck wird in unser Safari-Zelt gebracht und wir werden aufgefordert, uns sofort zum Abendessen einzufinden. Es ist wieder ein Gemeinschaftsgebäude, diesmal mit kleineren Tischen. Auch dieses Gebäude ist an allen Seiten offen und wir sitzen gemütlich an einem rustikalen Tisch und freuen uns über ein leckeres Antilopensteak im Schein einer Petroleumlampe. Dazu noch ein kräftiger Rotwein und die Strapazen der Anfahrt sind schnell vergessen.

Unser „Zelt“ ist der Hammer! Ein Safari Zelt aus Segeltuch, ca. 4.5 x 10 m groß mit angeschlossener Nasszelle am Ende. Und die war sogar gemauert. In der Mitte Stand ein Doppelbett mit Stahlrahmen, über das ein Moskitozelt gespannt war. Am Eingang gab es eine Sitzgruppe aus 2 Sesseln und einer kleinen Couch am Fussende des Bettes. Die „Fenster“ des Zeltes waren alle mit Moskitonetzen versehen, und wenn man wollte, konnte man mit aufgerollten Stoffbahnen die Öffnungen schließen. Wir haben uns dagegen entschlossen und wurden mit einem fantastischen Sonnenaufgang am nächsten Morgen belohnt. Mit der kleinen Kaffeemaschine machten wir uns jeweils einen Becher, den wir mit raus auf unsere Terrasse nahmen und beobachteten, wie das Land um uns herum erwacht.

Namibia - Teil 1

Namibia, Teil 1
Namibia, Teil 1

7:44 min

Auf Safari!

Nachdem wir den Morgen gefaulenzt haben gehen wir am Nachmittag auf einen Gamedrive und fahren 9 Km an das „Namutoni Gate“, den Ost-Eingang des Etosha National Parks. Das Namutoni Fort lassen wir links liegen - wir wollen ja schließlich Tiere sehen und keine Menschen … Wir fahren durch eine Ebene mit vielen verdorrten Akazienbüschen und kommen an das erste Wasserloch (Koinachas) und sehen kleine Springböcke und Impalas. Auf dem weiteren Weg lichtet sich das Buschwerk und wir können sehen, wie die Hitze auf dem trockenen Untergrund steht und die Luft flimmern lässt. Und am Horizont sehen wir zum ersten Mal Elefanten, die langsam über die Ebene schreiten. Was für ein Anblick - obwohl die Handvoll Tiere sehr weit weg sind, bleibt ein mystischer Eindruck. Unterwegs sehen wir noch eine kleine Gruppe Gnus, die geduldig über den trockenen Grund schlendern und sich durch unsere Anwesenheit auch nicht stören lassen. Das nächste Wasserloch (Chudop) liegt in einer staubigen, steinigen Ebene und ist rege besucht. Eine kleine Herde Elefanten hat sich eingefunden, trinkt, badet und erneuert die Schlammschicht auf der Haut - quasi als natürlichen Sonnenschutz. Plötzlich zieht die ganze Gruppe ab und wir sehen, wie sich eine zweite Herde dem Wasser nähert. Vorsichtig gehen die Tiere aufeinander zu, es wird gebrummelt, hier und da ein lautes Trompeten - die Rüssel tasten einander ab und die Gruppen ziehen friedlich weiter. Zwei Giraffen stehen seit unserer Ankunft am Wasser, trinken jedoch nicht. Unser Guide erklärt uns, dass sie der Löwe im Dickicht am Ende der Ebene nervös macht. Löwe? Moment - trotz Fernglas können wir das Tier nicht ausmachen. Der Guide verzweifelt beinahe mit uns, denn er kann das Tier ohne Hilfsmittel spotten. Und siehe da, wir entdecken einen kleinen gelb/braunen Punkt, vor gelb/braunen Hintergrund, ca 800 Meter entfernt im Schatten. War doch gar nicht so schwer …

Schwer beeindruckt von den Adleraugen unseres Fahrers, machen wir uns weiter zum nächsten Wasserloch. Auf dem Weg dorthin, sehen wir ein Zebra mit tiefen Rissspuren mächtiger Pranken auf der Flanke. Ein schönes Tier und es verdeutlicht uns wieder ein mal, um was es hier geht: Fressen und gefressen werden. Nachts ist hier die Hölle los und man kann froh sein, wenn man den nächsten Tag erleben darf! Am Kalkheuwel stehen wir dann in Mitten einer nervösen Impalaherde. Die Ohren zucken vor und zurück, die schmalen Hälse schauen links und rechts und die Tiere blöken, das etwas an chronischen Husten erinnert. Unser Fahrer meint nur trocken - das liegt an den Löwen, die dort hinten im Gebüsch liegen. Schon wieder! Mühsam suchen wir das Gelände ab und hätte da nicht plötzliche nervös eine Schwanzspitze gezuckt, hätten wir die die Gruppe wohl nie entdeckt. Aber diese Löwen sind voll gefressen, liegen teilweise auf dem Rücken und strecken alle Viere von sich. Der Ranzen spannt, das Buffet ist üppig angerichtet, aber es passt nichts mehr rein. Ein seltsames Schauspiel: Alle Antilopen, Zebras und sonstige Kandidaten auf dem Speisezettel der Raubkatzen stapfen etwas nervös, aber irgendwie doch neugierig und leichtsinnig um ihre Fressfeinde herum. Aber an Nachtisch denkt hier gerade niemand. Gegen Abend fahren wir zurück, über den kleinen Doringdraai Loop direkt an der großen Salzpfanne vorbei, an einem Teil, in dem noch ein paar Zentimeter Wasser stehen. Die Sonne steht jetzt schon tief und taucht alles in goldene Farben. Unseren „Sundowner“ nehmen wir am Klein Namutoni Wasserloch ein, dort haben sich gerade 8 Giraffen eingefunden und beginnen ein wenig unbeholfen vom Wasser zu trinken. Die Vorderläufe müssen ziemlich weit gespritzt sein, damit der lange Hals zum Wasser gelangen kann. Zu lange sollte das Tier das nämlich nicht machen, nach 5-6 Minuten macht der Blutdruck das nicht mehr mit und die Giraffe fiele dann in Ohnmacht. Aber zu unserer Überraschung gibt es wahre Ballettkünstler unter der Gruppe; das wieder Aufrichten ist nämlich nicht so einfach. Und so gibt es verschiedene Techniken. Erst der eine Fuß, und dann der andere oder eben ein eleganter Hüpfer von der Grätsche in den Stand. Als das Wasserloch dann noch von einer Herde Perlhühner bevölkert wird, machen wir uns wieder auf den Weg zurück zum Camp, wo das Abendessen auf uns wartet.

Auf dem Weg nach Halali

Das heute Ziel liegt ca. die Mitte vom Etosha Nationalpark. Wir schauen uns kurz das Namutoni Fort an, wollen aber wieder schnell auf den Weg, um Tiere zu spotten. Die Wasserlöcher von gestern lassen wir hinter uns und fahren durch die Grasfelder an der Salzpfanne entlang und sehen Zebras und Antilopen durch die Gräser ziehen, hier und da einen Vogelstrauß. Am Ngobib Loop ist das ganze Land schwarz und verkohlt. Große Brände plagen zur Zeit den Nationalpark, am Horizont ist der Himmel durch mehrere Rauchsäulen dunkel verfärbt. Wir entdecken eine Gruppe von Elefantenbullen am Wasserloch und entschließen uns sicherheitshalber den Motor laufen zu lassen, denn die Tiere sind nur einen Steinwurf entfernt. Riesig und imposant stehen sie vor uns. Die massiven Schädel sind beeindruckend und plötzlich fühlen wir uns klein und unbedeutend. Als sich ein Bulle der Gruppe nähert werden alle Beteiligten nervös. Ein Fremder stößt zur Gruppe hinzu und wir stehen auf der gegenüberliegenden Seite mit unsrem SUV. Die Ohren der Elefanten bewegen sich auch schon - ein sicheres Zeichen, dass es zu Schwierigkeiten kommen kann. Aber es beruhigt sich alles und der Leitbulle - dem Auto am nächsten - schlägt sogar lässig die Hinterläufe übereinander, und entscheidet sich sichtlich entspannt zu einem Nickerchen.

Die nächste Station ist der Etosha Lookout,eine kleine Stichstraße direkt auf die Salzpfanne. Wir fahren auf einer geschlossenen Salzdecke und der Kontrast zwischen dem weißen Grund und dem dunkelblauen Himmel scheint unwirklich. Auf unserem Weg sehen wir zwei Fahrzeuge am Straßenrand und es gibt eine Safari Regel: Wenn irgendwo ein Fahrzeug steht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch etwas zu sehen. Und so entdecken wir einen Elefantenkadaver, ca. 20m im hohen Gras liegen. Schnell wird klar, das Löwenrudel ist nicht weit und wir müssen unser Fahrzeug besser positionieren, denn die Reste des Tiere stinken gottserbärmlich … Die Löwen sind nur schwer auszumachen, denn das gelbe Gras ist hoch und bietet die perfekte Deckung für die kleine Gruppe. Nur als das Männchen kurz aufsteht um sich gleich wieder bequemer hinzulegen, drückt Anny auf den Auslöser. Gutes Timing, denn wir müssen geduldig warten, bis wieder etwas passiert. Irgendwann löst sich ein Weibchen von der Gruppe und läuft auf uns zu, nur um sich dann gemächlich neben dem Kadaver nieder zu lassen. Es entstehen ein paar gute Bilder und wir werden für unsere Geduld belohnt, bevor wir uns in der Abendsonne nach Halali aufmachen.

Eigentlich ist Halali kein schönes Camp. Eine staubig, trockene Anlage ohne Schnick Schnack. Nicht einmal gemachte Wege, oder angelegte Flächen vor den Bungalows. Dennoch sind wir total überrascht, wie ausgezeichnet das Essen ist! Das Buffet, das in dem Hauptgebäude der Anlage aufgebaut ist beeindruckend: Es gibt frische Salate, verschiedene Gemüse, Aufläufe, viel gegartes und gegrilltes Fleisch und ein Turm gebaut aus Garnelen. Und das an einem der trockensten Orte der Welt. Wir fühlen uns bei solch Dekadenz etwas deplatziert und müssen uns gleich für einen französischen Reisebus fremdschämen, dessen Reisegruppe sich die Garnelen auf die Teller schaufelt, so dass bloß kein anderer Gast etwas davon abbekommt. Aber bei den Fleischsorten sind die Gäste zaghaft, wie wir belustigt feststellen. Springbock und Kudu ist wohl nicht für Jedermann. Wobei der Hackfleischauflauf „Bobotje“ ebenfalls einfach nur lecker ist! Kürbisgemüse in jeglicher Form dazu und ein kühles Bier - klasse - das ist wirklich Luxus. Wir haben eine Hochzeits-Sweet bezogen, scheinbar ein Buchungsfehler seitens des Reisebüro und wir werden mit Rosenblättern, einem Sekt im Eiskühler und einer riesen Dose „Bug-Spray“ begrüßt. In der Decke direkt über dem Bett ist eine Dachfenster eingezogen, und so kann man im Bett liegen und die Sterne beobachten und hoffen, dass einem nichts ins Gesicht fällt - wenn man gesehen hat, was dort oben so alles in den Nischen wohnt.

Es ist zwar dunkel, aber noch früh am Abend und wir entscheiden uns, noch an das beleuchtete Wasserloch zu fahren und zu schauen, was sich so alles in das Scheinwerferlicht traut. Dort angekommen, nehmen wir Platz auf einer Art Tribüne aus groben Steinblöcken, setzen die Kamera aufs Stativ und warten. Vor der Tribüne verläuft ein Zaun, der sogar unter Strom steht, damit wir nicht selbst zum Buffet werden. Die zwei Flutlichter summen laut und übertönen fast das monotone Grillenkonzert, das die ganze Nacht zu hören ist. Ab und an schaltet sich eines der Lichter aus, damit es nicht überhitzt und vor uns liegt das Wasserloch düster und schwarz. Wir sitzen schon lange und viele Touristen kommen und gehen nachdem sie nur ein paar Perlhühner und vielleicht einen kleinen Kojoten mit Blitz geknipst haben. Uns wird’s bald auch zu langweilig, und wir bauen gerade ab, als wir plötzlich etwas im Gebüsch knacken hören. Und siehe da - ein Nashorn kuckt schüchtern zwischen den Akazien hervor. Es nimmt die Witterung auf und wartet erst einmal. Das tun wir auch und sind gespannt, ob wir es noch ganz zu sehen bekommen. Quasi in Zeitlupe bewegt es sich auf das Wasser zu und wir sind ganz aufgeregt: Das erste Nashorn, das wir zu sehen bekommen! Fantastisch. Leider ist es zum fotografieren viel zu dunkel, aber auch wenn das ISO Rauschen hoch ist - wir können unsere Liste um ein grandioses Tier, eines der „Big Five“ erweitern.

Wir tanken früh am Morgen und machen uns auf den Weg zum West Eingang des Parks und nehmen den Eland Drive, auf dem man viel zu sehen bekommen soll. Wir sehen nichts, gar nichts. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass alle Tiere noch gar nicht aufgestanden sind. Und als wir ein Chamäleon auf der Piste sehen, muss eben das für eine Fotosession herhalten. Mittags werden wir dann aber mit verschiedenen Springbock-, und Impalaherden belohnt. Zebras streifen durchs gelbe Gras und eine Oryxantilope wird heute sogar Bild des Tages. Heute sehen wir auch viel Raubvögel: Geier, Bussarde und Adler sitzen exponiert auf dürren Ästen und halten Ausschau nach Beute. Und hier und da flitzen Gelbschnabeltokos an uns vorbei, immer zu erkennen an ihrem großen, gebogenen tukanähnlichen Schnabel. Gabelschwanzracken schimmern Pink und Violett, Schwarzbauch-Glanzstaren beeindrucken mit ihrem schwarz/türkis schimmernden Gefieder und den orangen Ringen um die Augen. Wir sehen einige Riesentrappen, Bienenfresser und natürlich flinke Webervögel an ihren typischen Behausungen.

In den Lodges des Parks liegen sog. „Sichtungsbücher“ aus und wir studieren eifrig, was andere Leute gesehen haben und natürlich auch wo das war. Wir planen sorgfältig die Reihenfolge der Wasserlöcher auf unserer Route ein, in der Hoffnung eine kleine Gepardenfamilie zu sehen, die anscheinend hier in der Gegend anzutreffen sind. Aber die Wasserlöcher sind heute nicht sehr ergiebig. Einmal befinden wir uns plötzlich in Mitten einer riesigen Zebraherde wieder - ein schier unendlicher Strom an Tieren zieht an uns vorbei und um unser Fahrzeug herum und so beobachten wir gebannt die kleine Migration. Eigentlich wollen wir über das Wasserloch Aus nach Okaukuejo fahren, aber dort ist der Himmel dunkel vor Rauch. Nach ein paar Kilometern kommen die Flammen immer näher an die Piste und uns ist es das Risiko nicht wert. Wir wenden und fahren zurück auf die Hauptstraße, aber auch dort sind die Parkranger damit beschäftigt, die Tiere vor den Flammen zu vertreiben. Elefanten zum Beispiel verfallen in eine Art Schockstarre und weichen dann nicht vor dem Feuer zurück. Wie auch Nashörner - und das ist dann kein schöner Anblick. Wir sind verblüfft, wie schnell sich die Flammen durch das Gras fressen. Noch hat es hier und da nur an ein paar Halmen geknabbert und im nächsten Moment unter einem kräftigen Windstoß könnte man nicht einmal vor der Feuerwand davon rennen!

Das Okaukuejo Camp

Die Bungalow Anlage ist der Hammer! 2 Stöckige Gebäude im Stil der Rundhütten liegen in ca. 30m Entfernung zum Wasserloch. Von unserem Balkon aus können wir prima auf alle Gäste schauen, die sich hier eingefunden haben. Tiere, wie auch Touristen. Und wir sind nicht sicher, wer hier wen beobachtet … Wir lernen nun auch rasch das kleine Safari 1x1 und das geht so: Egal wo man sich befindet, man lässt sein Gepäck nicht geöffnet. Wenn man etwas aus der Reisetasche benötigt, holt man es heraus und schließt danach den Reisverschluß wieder. Wir machen Bekanntschaft mit einer Wandkrabbenspinne, die am Sockel des Strohdachs sitzt. Micha hat mal wieder die ehrenvolle Aufgabe das Ding „weg zu machen“, was allerdings gar nicht so einfach ist, denn das Tier ist extrem schnell und so klopft Micha mit dem Schuh der Spinne auf ihrem Weg hinterher bis diese - Schwups - in der Reisetasche verschwindet. Na toll, nun haben wir ein gefährliches Raubtier im Gepäck! Langsam und vorsichtig wird Schicht für Schicht der Inhalt der Tasche ausgeräumt, bis das Tier mit affenartiger Geschwindigkeit seiner neuen Behausung entspringt aber kurz drauf unter der Sohle des Treckingschuhs den Ausflug mit einem hässlichen Fleck beendet. Bäh - was für ein Matsch!

Es geht nun erst ein mal zum Abendessen und wir sind überwältigt von der Touristenabfertigungsmaschinerie, die hier voll im Gange ist. Das Highlight am Buffet ist sicherlich der Elandbraten, der von vielen Gästen verschmäht wird. Die Essen lieber Schnitzel, Pommes und Bratwurst - für uns unverständlich, denn wann hat man denn schon mal die Chance allerfeinstes Antilopenfleisch zu probieren? Der Braten ist ausgezeichnet und wir haben es mal wieder etwas übertrieben und „rollen“ quasi zurück zu unserem Bungalow. Dort ist inzwischen mächtig was los - es sind viele Stative aufgebaut und allerhand Fotoequipment klackert in einer skurrilen Geräuschkulisse vor sich hin. Ab und an zuckt ein Blitz durch das Dunkel, aber das scheint die Tiere am Wasser nicht zu stören sondern nur uns. Auch wir haben unser Stativ aufgebaut und das Tele liegt im Anschlag. Der kleine Kessel vor uns liegt im Lichtkegel einer Flutlichtanlage, wie wir es schon von Halali kennen. Eine Herde Elefanten schält sich aus der Nacht und nimmt von dem Wasserloch Besitz. Zwei Jungbullen verjagen aus Spaß ein Nashorn, das auf der gegenüberliegenden Seite ans Wasser gekommen war. Der Mut der zwei Jungtiere war aber wohl eher durch die Präsenz der mächtigen Leitkuh der Herde begründet als durch die zwei übermütigen Elefanten selbst. Plötzlich werden wir Zeuge eines kleinen Tumultes aus Richtung unseres Bungalows. Ein übergewichtiges 600 mm Tele hat sich samt Stativ vom Balkon gestürzt und sogar uns die Tränen in die Augen getrieben. Das ist wohl der Super-Gau für jeden Fotografen und das Ende jeder Fotosafari. Wir können nur hoffen, daß es das Ende des Urlaubs für das Pärchen war, das sich nun in den Bungalow zurückzog und sicherlich den Verlust ersteinmal beweinen musste. Auch wir überprüfen sofort die Standfestigkeit unseres Stativs und sind in guter Gesellschaft, denn viele um uns herum tun das Gleiche. Am späten Abend kommt eine Löwin ans Wasser und trinkt recht umständlich, wie wir finden. Das Geschlabber scheint ja nicht sehr effektiv zu sein, aber hier haben ja alle Zeit. Die anderen Tiere sind dementsprechend nervös und warten lieber in sicherer Distanz. Nur das Nashorn lässt sich von dem Raubtier nicht beeindrucken. Wir hören im Dunklen einen Löwen brüllen und sind guter Dinge, dass vielleicht auch er ans Wasser kommt. Aber bevor wir die Letzen sind, bauen wir ab und ziehen uns ebenfalls zurück.

Die Nacht verläuft etwas ungewöhnlich, denn wir haben eine Fledermaus unterm Dach. Eigentlich nicht weiter schlimm, aber das Tier flattert nervös umher und finden den Ausgang nicht. Jedes mal, wenn es wieder im Stroh des Daches landet, hört man das Kratzen und Rascheln des Tieres. Zwar ist unser Doppelbett mit einem Moskitonetz umhüllt, aber jedes Mal, wenn die Fledermaus kackt, fallen die kleinen Köttel zwar auf das Netz, werden durch die Maschen aber nur zerteilt und landen auf der Bettdecke. Anny ruselt selig zwischen den Kissen und bekommt von dem allen nichts mit. Im Gegenteil - es gibt noch eine kleine Diskussion, ob die Fledermausköttel überhaupt die Bettdecke erreichen oder nicht. Tun sie, wie wir anhand der gesprenkelten Decke am nächsten Morgen sehen! Aber irgendwann tief in der Nacht flattert das kleine Tier endlich zur geöffneten Balkontür hinaus - endlich kehrt Ruhe ein. Durch die offene Tür hat man einen herrlichen Blick und Micha beobachtet noch eine Weile 2 Nashörner, die im Mondschein baden.

An unserem letzten Tag im Etoscha National Park entscheiden wir uns so weit zu Richtung Westende zu fahren, wie uns als nicht registrierte Safari Anbieter erlaubt ist. Am Ozonjuitji m’Bari Wasserloch ist Schluß und wir beobachten einige Zebras, Sekretärsvögel und kleiner Antilopen, wie sie vor einem violetten Himmel nervös vom Wasser trinken. Das ganze wird um so skurriler, als ein Löschfahrzeug der Parkranger an unserem Auto anhält und uns fragt, ob sie zum Auffüllen des Tanks ans Wasserloch fahren dürften, weil sie ja dann durch unser Bild müssten und die ganzen Tiere vertreiben. Verdutzt stimmen wir natürlich zu und es dauert auch nicht lange, bis die Tiere wieder zurück sind. Der Rest des Tages bleibt recht dunkel und am Abend erfahren wir, daß große Teile des Süd-Westlichen Teils des Parks in Flammen steht. Rauch und Asche haben die Sonne verdunkelt und nicht etwa aufziehende Gewitter, wie wir die ganze Zeit dachten!

weiterlesen
Okonjima Etosha 02
Okonjima Etosha 08
Okonjima Etosha 07
Okonjima Etosha 03
Okonjima Etosha 05
Okonjima Etosha 06
Okonjima Etosha 01
Okonjima Etosha 04