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Lago di Como

Wir nutzen das lange Oster­wochenende, um nach Italien an den Comer See zu fahren - und genießen das erste Frühlings­wochenende in der Sonne.

Anreise

Gesunder Menschen­verstand wäre besser als blindes Vertrauen in die Technik! So oder so ähnlich könnte man den folgens­chweren Fehler zusammen­fassen, der uns bei der Anfahrt auf unser Urlaubs­ziel passiert ist. Aufgrund neuer Verkehrs­lage hat unser Navi die von uns am Vortag entschiedene Route geändert und ohne groß nachzudenken, folgen wir der synthetischen Stimme aus den Fahrzeug­lautsprechern. Denn aus Erfahrung wissen wir: das Navi hat immer Recht.

Die ersten Stunden laufen auch absolut problem­los, bis wir in einen der längsten Staus am Gotthard geführt werden. Ohne eine Möglichkeit der Umfahrung, weil alle Ausweich­möglichkeiten wegen Lawinen­gefahr gesperrt sind und die örtliche Polizei eine Rückkehr auf die A2 ver­hindert, verbringen wir geschlagene 6 Stunden in einer Blech­karawane, ohne uns nur einen einzigen Meter zu bewegen.

Comer See

Sonne küsst Frühling

Ristorante Hotel La Vignetta

Spät in der Nacht erreichen wir unsere Unter­kunft in Cernobbio und sind herzlich gerührt vom Empfang des Personals, denn die Küche hat extra auf uns gewartet, damit wir nicht mit leerem Magen ins Bett müssen. Mit lokaler und lombardischer Küche und natürlich einem Glas rubin­roten Barbera mit leichter Barrique-Note beschließen wir dann auch den ereignis­reichen Tag und fallen müde in die Kissen.

Wir öffnen die schweren Holzläden und werden von der Morgensonne regelrecht geblendet. Was für ein herrlicher Empfang nach all der winterlichen Tristesse jenseits der Alpen. Klänge von Motor­booten und Nebel­hörnern der Fähren finden ihren Weg zu unserem kleinen Balkon, von dem wir gerade noch das Wasser sehen können.

Como-Brunate Funicular

Die Stand­seilbahn macht knapp 500 Höhenmeter in 7 Minuten und wir erreichen die Aussichts­plattform mit einem spektakulären Blick nach Westen über den See bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Auf der linken Seite beginnt das Monte-Rosa-Massiv mit der Dufourspitze auf der rechten Seite ist gerade noch der Gotthard zu erkennen.

Von unserem 'Bellavista' sehen wir an diesem klaren, sonnigen Vormittag quasi alle Gipfel des Wallis.

Unterhalb der Plattform testen wir die Spezialität der Region in der Trattoria dei Bracconieri: Polenta. Der aus Maisgrieß hergestellte feste Brei gehört hier zur regionalen Koch­tradition und ist als Beilage zu Wildschwein­gulasch oder mit Käse und Spargeln kombiniert richtig lecker.

Zurück am See gibt es nach geduldigem Warten ein feines, cremiges Gelato mit einem hohem Anteil Vollmilch, das bei der heutigen Sonne dann nicht ganz so einfach zu essen ist. Wir machen uns langsam auf den Rückweg, verbringen den Sonnen­untergang am Monument ‘Life Electric’, einer modernen Statue im Freien zu Ehren von Alessandro Volta, dem Erfinder der Batterie, mitten im Hafen von Como.

Heute nutzen wir die komplette Länge des Tages und machen uns erst wieder auf den Rückweg, als die Dämmerung fällt.

Wie bunt zusammen gewürfelte Legosteine schmiegen sich die kleinen Häuser an die steilen Ufer entlang des Sees.

Ausflug nach Bellagio

Heute sind wir nicht alleine.

Unsere Personenfähre 'A. Volta' der Navigazione Laghi aus den späten 50er Jahren dreht elegant in einem lang­gestreckten Bogen bei und legt mit viel Schwung am Terminal in Cernobbio an, so dass die rücklaufenden Wellen das Schiff ganz schön zum Schaukeln bringen.

Über dem Wasser liegen mehrere Schichten Dunst, die jetzt von der Morgensonne durchbrochen werden. Auf den Gipfeln der umliegenden Berge liegt dermaßen viel Licht, dass die oberen Ränder sich fast im Weiss des Himmels auflösen. An jeder Erhebung der Bergrücken brechen sich die Sonnenstrahlen und werden in zahlreiche Bündel aufgefächert, die am Ende alle das Wasser berühren.

Obwohl die Sonne schon kräftig den Morgen erhellt, ist der Fahrtwind noch derart frisch, dass wir uns ab und an unter Deck begeben müssen, um uns aufzuwärmen …

Wir hangeln uns im Zick-Zack den Westarm des Sees entlang und sammeln an jedem Stopp immer mehr Touristen ein. Auf Deck gibt es jetzt so gut wie keinen Platz mehr und wir müssen mit den ganzen Influencern jedesmal um eine Lücke an der Reeling kämpfen, wenn wir auch mal ein Bild machen wollen. So sind wir dann am Ende ziemlich erleichtert, als wir Bellagio erreichen und die Masse an Menschen sich in die 3.500 Einwohner große Stadt ergießt.

Direkt am Wasser ergattern wir trotz tausender Menschen doch tatsächlich noch einen Platz zum Mittagessen im Hotel Excelsior Splendide. Schon klar, dass das Bistro touristisch bestens erschlossen ist, aber letztendlich sind wir doch positiv überrascht, denn der Service ist top, das Essen hervorragend und die Preise moderat. Also alles halb so wild.

Frisch gestärkt schlendern wir an der Promenade Lungolago Europa entlang und beobachten den zunehmenden Verkehr auf dem Wasser. Wir lassen das Lido di Bellagio hinter uns und wandeln nun durch den malerischen botanischen Garten mit Statuen und Wegen am See bis zur Villa Melzi.

Als wir zurückkehren, liegt das West­ufer des Sees in weiten Teilen bereits im Schatten. Lediglich die Wasser­front der Städtchen Colonno und Argegno leuchten noch goldgelb in der Abend­sonne.

Osteria del Beuc

Wir verlassen den Fähranleger in Cernobbio und genießen das gesellige Treiben auf dem Piazza Risorgimento im sanften Licht des Abends, bevor wir in die engen Gassen der Altstadt abtauchen und uns auf die Suche nach einem gemütlichen Plätzchen zum Abendessen machen. Wir bleiben an einer kleinen Osteria hängen, in der fast nur Einheimische zu sitzen scheinen – ein gutes Zeichen, wie wir finden.

Da unser Italienisch nicht das Beste ist, nehmen wir Google zu Hilfe und kommen damit auch ganz gut weiter – bis auf ein Gericht, das kurioserweise mit ‘gebackenen Kind’ übersetzt wird. Das freundliche Personal hat jetzt Tränen in den Augen und erklärt uns, dass es sich hier um gebackenes Zicklein handelt. Das traditionelle Gericht der Region Como probieren wir natürlich gerne, wie auch die Lamm­koteletts, die heute auf der Karte stehen. Vorweg noch ein Primi mit Pasta, mit Kaninchen Bolognese und mit Ente gefüllten Ravioli. Als Wein­begleitung gibt es einen jungen, recht säure- und tannin betonten Nebbiolo.

Über Nacht sind die zarten Knospen der Bäume förmlich explodiert und wir beschließen noch einmal an den Fähr­anleger in Cernobbio zurück­zukehren und die morgendliche Ruhe am Seeufer zu genießen und die Sonne der ersten Frühlings­tage mitzunehmen, bevor wir zurück­kehren. Und dieses Mal kreuzen wir die Alpen über den San Bernardino Pass – man lernt ja schließlich aus seinen Fehlern …