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Texel

Wir fahren an die Nordsee, auf die größte der westfriesischen Inseln. Volle Breitseite der Elemente, direkter Kontakt zur offenen See. Salz in der Luft, Sand in den Schuhen –
so muss das sein!

Texel, im Westfriesischen auch Tessel genannt, ist eine knapp 24 km lange und 10 km breite Insel und bildet den Abschluss an der westlichen Seite der Kette der Watteninseln der nord­holländischen und friesischen Küste. Im Gegensatz zu den übrigen Inseln, deren Längs­achse eher in Ost-West-Richtung zeigt, ist Texel nord-südlich orientiert, sodass die Westküste an der offenen Nordsee, die Ostküste am Watten­meer liegt. Ebenso unter­scheidet sich die Entstehung der Insel Texel von der der anderen Watten­inseln. Sind Letztere das Produkt wandernder Dünen im Watt, so ist Texel ein verwittertes Über­bleibsel aus eiszeit­lichen Ablagerungen.

Quelle: Wikipedia

Anreise

Wir verpassen gerade um ein paar Minuten die Fähre, als wir am frühen Nachmittag Den Helder erreichen. Direkt hinter dem Schlag­baum sehen wir das Schiff den Anleger verlassen und so müssen wir uns eben in Geduld üben und die nächsten 60 Minuten mit einem Becher Kaffee und einem Brownie überbrücken.

Das Fährschiff Texelstroom der Reederei Teso nimmt uns als Nächstes in ihren geräumigen Bauch auf. Um diese Uhrzeit setzen nur wenige Fahrzeuge über und so bleibt das große Fahrzeug­deck ziemlich leer. Nach nur 20 Minuten gemüt­lichen Brummens des Schiffs­diesels erreichen wir den Fährhafen von 't Horntje an der östlichen Seite der Südspitze. 12 km später beziehen wir unsere Unterkunft in De Koog.

De Koog

Das touristische Zentrum der Insel

Wandelpad Zeereep

Das alte Dorf ist nur durch zwei Dünen­ketten von der Nordsee­küste getrennt. Zahlreiche Hotels und Camping­plätze lassen erahnen, dass sich hier das Zentrum des Tourismus auf der Insel befindet. Die Fußgänger­zone im Zentrum hat sich quasi zu einer kulinarischen Meile mit zahlreichen Restaurants und Delikatess­läden entwickelt.

An den Süden der Stadt grenzt ein großes Natur­schutz­gebiet, das einmal Teile der Dünen­landschaft umfasst und mehr zur Insel­mitte hin die größte bewaldete Zone der Insel einschließt.

Es braut sich etwas zusammen: über dem Nationaal Park Duinen van Texel zieht in Minuten ein Unwetter auf. Augenblicke später sind wir auch schon patschnass.

Natur Pur

Der Nationalpark Dünen von Texel liegt südlich von De Koog und erst einmal führen uns sanfte Waldwege durch einen Pinien­wald, direkt hinter der Dünen­kette. Langsam kämpft sich die Sonne durch die Wolken­decke und die ersten Sonnen­strahlen beleuchten den mit Nadeln bedeckten Wald­boden. Als der Wald abrupt aufhört, geht die Landschaft direkt in das Bleekersvallei über – ein Naturgebiet aus Heideland und Dünen. Die Namens­gebung ist eine Ableitung zweier Bleich­mühlen im 18. Jahrhundert, die das auf Texel gesponnene Leinen in den Dünen verarbeitet haben.

Wir machen uns auf den Weg durch die fantastische Dünen­landschaft, kehren an der Wasser­kante im Strand­pavillon Paal 19 ein und genießen die Sonne mit tradi­tionellen ‘Bordje friet met kibbeling und Remoulade’ und einem sehr charakter­vollen dunklen Weißbier: Skuumkoppe (Alkohol 6,0%) von der Texel Bier­brauerei. Wir lernen, das Bier verdankt seinen Namen den weißen Spitzen auf den Wellen der rauen See. Wellen, die die Insel Texel umspülen: Tag für Tag.

Auf dem Rückweg erkunden wir noch ein wenig das Landschafts­schutzgebiet im Süden, bevor wir uns auf den Rückweg machen und durch den sonnigen Eichenhain Californiëbos streifen. Wir steigen kurz mit der Drohne auf und können sehen, wie sich am Himmel hinter uns ein Unwetter zusammen­braut. Kaum sind wir gelandet, werden wir von einem derart kräftigen Regen­schauer überrascht, der uns bis auf die Socken einweicht. Die Technik ist sicher – wir ziehen heimwärts und legen uns erst einmal trocken.

Am frühen Abend zieht es und noch einmal hinaus, um das spekta­kuläre Licht­spiel zwischen Strand und Himmel zu beobachten. Als die Dunkel­heit fällt, verlassen wir den Wandel­pad Zeereep und kehren beim Dikke Zeehond Beach Pavillion Paal 20 zum Abend­essen ein.

Abendstimmung:

Die tiefstehende Sonne füllt den aufgewühlten Himmel mit spektakulärem Licht und lässt die Halme des Strandhafers im Sturmwind leuchten. Mehr Nordsee auf den Punkt geht eigentlich nicht.

Oudeschild

Wir fahren heute mit dem Krabbenkutter! Der Fang der kleinen Krusten­tiere ist ja über die Jahre stark rückläufig und so nehmen einige findige Unter­nehmen zwischendurch am Tage einfach Touristen mit, um die Firmen­bilanz aufzubessern. Und so gehen wir nicht an Bord eines Museums­schiffs, sondern einem funktions­tüchtigen Kutter, der seine Runden in der flachen Nordsee zieht.

Wir verlassen den Hafen nach Osten und beobachten die Mannschaft, wie sie die zwei großen Grund­schleppnetze auf jeder Seite klarmachen. Der Steert am Ende des sack­förmigen Netzes wird mit einer Reihe professioneller Knoten verschlossen und beide Netze werden über die Ausleger (Baumkurren) zu Wasser gelassen, wo Scher­bretter in Kombination mit Gewichten und Schwimm­körpern die Netze mit Hilfe des anströmenden Wassers öffnen.

Die Maschen­weite der Netze ist jeweils auf die zu fangende Fischart abgestimmt. Die Maschen sind jedoch an der Öffnung immer größer als am Ende des Netzes. Während die ‘Walross’ vor der Küste ihre Runden zieht, wird der Koch­kessel an Bord langsam angefeuert, damit die Garnelen schon an Bord abgekocht werden können. Das geschieht direkt im See­wasser, was den Tieren ihr spezielles Aroma verleiht.

Als die Netze eingeholt werden, hängen diese nun vertikal an den Auslegern, bevor am unteren Ende der Steert geöffnet wird. Der gesamte Fang gleitet jetzt in eine Sortier­maschine, die viel Ähnlichkeit mit einer Waschmaschinen­trommel aufweist. Obwohl der Inhalt der Netze fast sortenrein in die bereit­gestellten Körbe purzelt, ist noch viel Hand­arbeit nötig, um den ganzen Beifang zu sortieren. Wir sehen See­zungen, Schollen, Flundern und Platt­fische, Makrelen, Knurr­hähne, viele Seesterne und Quallen und noch mehr Seetang. Geschätzte 90 % entsprechen nicht den Vorgaben und müssen wieder zurück in die See und verlassen den Kutter über eine Art Gulli im Deck.

Auf dem Rückweg zum Hafen können wir die frisch gekochten Nordsee-Garnelen von ihrem Panzer befreien – was im Allgemeinen unter ‘Krabben pulen’ bekannt ist. Um ein Brötchen damit belegen zu können, benötigt man schon gute 3 bis 4 Löffel davon. Ungeübte Finger benötigen dafür aber Stunden und so wird mit dem gesetzlichen Stunden­lohn diese Delikatesse nahezu unbezahlbar. Also reisen die Nordsee-Garnelen in Zeiten der Globalisierung jetzt mit dem Kühl­transporter einen Tag nach Marokko, werden dort von flinken Frauen­händen geputzt und fahren am dritten Tag wieder zurück – erklärt man uns.

Vuurtoren Texel Leuchtturm

Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dem Turm einfach eine zweite Hülle übergestülpt – die Schäden sind bis heute zu sehen, denn beim Besuch des Turms kann man sich zwischen den Wänden bewegen.

Der Norden

Die ganze Nacht hat es geregnet und die Wetter­vorhersage ist auch nicht wirklich besser. Also packen wir uns so gut es geht regen­dicht ein und machen uns auf den Weg, die Nord­spitze zu erkunden. Der Himmel empfängt uns mit dramatischen Wolken­formationen und präsentiert den Leucht­turm im schönsten Licht.

Eigentlich trägt der Turm den kuriosen Namen ‘Eierland’ – eine ehemals selbständige Insel, die im Zuge der Land­gewinnung vor 200 Jahren einfach der Haupt­insel einverleibt wurde. So wurde dann auch das Seezeichen für die Schiff­fahrt benötigt, das als einziger Leucht­turm der Niederlande zu drei Seiten auf das Meer hinausschaut.

Eigentlich wollen wir hinter den Dünen das Landschafts­schutzgebiet Eierland Richtung Süden erkunden, aber das Wetter wird grau und dunkel und es fängt an zu schütten. Nicht nur ein leichter Regen, es macht einfach richtig runter. Plan­änderung: Wir drehen um und versuchen, so schnell wie möglich das Trockene zu erreichen. Im Strand­pavillon Faro herrscht jetzt natürlich Hoch­betrieb, aber wir können noch einen der letzten Plätze ergattern und wärmen uns bei einer Schale Suppe auf.

Als der Regen nachlässt, versuchen wir noch einmal unser Glück. Wir wollen eigentlich nur kurz zur Nord­spitze der Insel, aber das Wetter macht heute einfach nicht mit. Wir geben auf und treten die Heim­reise an.

Insel in der Entstehung: Schicht für Schicht wie ein Baum­kuchen. Das Wasser wird langsam verdrängt, mit Sand ersetzt, auf dem irgendwann die Vegetation die Herrschaft übernimmt.

Den Hoorn

Heute sieht das Wetter ganz gut aus: langsam öffnet sich die graue Wolken­decke und hier und da kommt die Sonne zum Vorschein. Wir entscheiden uns für die Süd­spitze der Insel und starten im Natur­schutz­gebiet De Hors.

Hier kann man die Entstehung einer einzig­artigen Land­schaft beobachten. Es beginnt mit dem Meer, das unermüdlich Sand an die Süd­spitze der Insel bringt. Der Wind formt kleine Unregel­mäßigkeiten, aus denen langsam Dünen entstehen, die eine Basis für salz- und wind­resistente Pflanzen darstellen. Zuerst Biestar­gras und später Marram­gras. Auf diese Weise bleibt mehr Sand haften und es können sich Dünen­reihen bilden. Je weiter man vom Wasser entfernt ist, desto dichter wird der Bewuchs, der dann irgendwann in eine üppige Heide­landschaft übergeht.

Es ist ein wunder­schöner Ort, um Vögel zu beobachten und die Landschaft zu genießen. De Hors ist ein wichtiges Nist­gebiet für Vögel wie die See­schwalbe, die Lach­möwe und den Säbel­schnäbler. Der Himmel macht immer mehr auf und wir genießen die warmen Sonnen­strahlen an diesem Tag und beobachten am Aussichts­punkt Horsmeertjes die heimischen Vogel­arten.

Nach kurzer Zeit erreichen wir Strand­slag Paal 9, machen es uns in der Sonne gemütlich und genießen die Wärme des Tages. Von hier aus lassen sich auch die ganzen Kite Surfer beobachten, die mit ihren bunten Geräten über die grauen Wellen­kämme der auf­gewühlten See tanzen.

De Slufter

Heute treibt der Wind die grauen Wolken über den Himmel. Kräftige Wind­böen zerren an unseren Klamotten, als wir durch das Natur­schutz­gebiet De Muy nach Norden ziehen. Das Gebiet besteht aus Dünen, einer lang­gestreckten Ebene, Wiesen und einem kleinen Wald.

Der Slufter steht in offener Verbindung mit dem Meer. Vom Aussichts­punkt am Eingang aus hat man einen schönen Blick über die Salz­wiesen. Ursprünglich sollte das Gebiet vom Meer abgeschottet werden. Zu diesem Zweck wurde 1855 der "Lange Damm" errichtet. Während einer heftigen Sturmflut brach der Lange Damm 1858 an drei Stellen durch und De Muy, De Grote Slufter und De Kleine Slufter waren geboren, drei tiefe Kanäle, durch die Meer­wasser einfließen konnte.

De Grote Slufter und De Muy konnten endgültig geschlossen werden, was aber bei der größten Lücke nicht gelang. Und so wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschlossen, dieses Loch in den Dünen offen zu lassen. Während eines starken Nordwest­sturms und einer Spring­flut, vor allem im Winter, kann es passieren, dass die Salz­wiesen vollständig gefüllt werden.

Es gibt nur wenige Momente, an denen es die Sonne heute schafft, durch die Wolken­decke zu brechen. Aber wenn es passiert, dann wird das Natur­schutz­gebiet spektakulär beleuchtet. Der starke Wind jedoch treibt die schweren Regen­wolken vor sich her und als es mal wieder zu nass wird, verziehen wir uns in das kleine Café-Restaurant De Slufter hinter dem Deich.

Der Regen hat tatsächlich aufgehört, dafür hat der Wind auf­gefrischt und zerrt teilweise so stark an uns, dass ein Voran­kommen zu einer mühsamen Angelegen­heit wird. Die Sturmböen transportieren inzwischen auch Allerlei Fracht mit sich, vor allem die Menge Flugsand macht das ganze jetzt ziemlich unangenehm. Ein klassisches Nordsee-Peeling für Körper und Seele! In den nächsten Tagen werden wir noch einiges an Sand in ein so paar Ecken entdecken.

Obwohl es nicht so ganz einfach ist, sich bei diesem Wind zu bewegen, machen wir uns auf den Weg zum Strand. Dort sind nur ein paar unerschütter­liche Foto­grafen unterwegs, die, wie wir, die Kamera unter der Jacke schützen und nur für den Moment der Aufnahme heraus­holen. Die Ergebnisse sprechen für sich, auch wenn wir heute Abend damit beschäftigt sind, unser Equipment zu reinigen.

Windstärke 8-9

Der erste Herbststurm des Jahres sei deutlich zu früh in diesem Jahr – so sagt man uns. Der Sand peitscht über den Strand un man kann sich nur schwer auf den Beinen halten.

Oosterend

Der Wind hat nach­gelassen, aber heute bleibt der Himmel grau und es regnet immer mal wieder. Die Wetter­app meint jedoch, dass es über Mittag besser werden würde und so entscheiden wir uns, die schönste Ortschaft der Insel zu erkunden. Kaum haben wir den Osten der Insel erreicht, fängt es an zu nieseln. Nicht weiter schlimm, wir haben ja Regen­zeug. Nur sehr einladend, um sich in einem der hübschen Cafes nieder­zulassen, ist das Wetter ja nicht.

So machen wir uns auf in Richtung Deich, hinter dem das Watten­meer bis zum Horizont ruhig und glatt liegt. Horizont und Wasser gehen im gleichen Farbton ineinander über, es ist windstill und es liegt kein Lärm in der Luft, außer dem gelegent­lichen Schrei einer Möwe.

Als wir das Wasser­werk Krassekeet erreichen, fängt es an zu schütten. Zu der Windmühle "Het Noorden" kommen wir gar nicht mehr – ist bei dem Wetter auch nicht wirklich ein schönes Motiv. Wir drehen um und kämpfen uns durch den Regen, der einfach nicht weniger werden will. Klatsch­nass und durch­geweicht fragen wir uns, wie wir die ganzen Klamotten wieder in den Koffer bekommen sollen, wenn wir morgen nach Hause fahren …

Das Licht am Abend zieht uns noch einmal hinaus: wir sind beschäftigt mit den zahlreichen Motiven, die sich alle paar Minuten ändern und nehmen so noch ein paar schöne Erinnerungen mit bevor wir im Dikken Zeehond den Abend mit einem Texel Zeebries Blond, einem Bier mit einer typischen Texeler Note und einem Hauch von Meer­fenchel, ausklingen lassen.

Am Abend kommt noch einmal die Sonne heraus und malt spektakuläre Bilder an den Horizont, quasi als Entschuldigung für einen doch sehr lausigen Regentag.